Gedenken zum 75. Jahrestag der Novemberpogrome

Erinnern und wachsam sein

Rotenburg. Mit einem Zitat aus dem Brief einer Rotenburgerin an die vor 75 Jahren geflohene Familie Brandes leitete Pfarrer Lars Niquet die Verlegung der Stolpersteine für Gretel Brandes-Goldschmidt und ihre Tochter Margit Goldschmidt am Donnerstag in Rotenburg ein:

„Ihr braucht nicht wieder herzukommen. Ihr findet nichts mehr vor.“

In dieser Stadt finden Verwandte von verfolgten und ermordeten Rotenburger Juden wieder etwas vor - mittlerweile gibt es 54 Stolpersteine im Stadtgebiet, die an die ehemaligen Mitbewohner erinnern. Damit, so sagte der Initiator der Aktion, Dr. Heinrich Nuhn, bei der anschließenden Gedenkfeier zum 75. Jahrestag der Novemberpogrome in der Stiftskirche, wurde auch ein Ziel der Nationalsozialisten durchkreuzt: Die Juden sollten nicht nur physisch verschwunden, sondern auch vergessen sein.

Gäste waren Angehörige von Gretel und Margit Goldschmidt, die aus den USA und Südafrika angereist waren, um bei der Verlegung der Stolpersteine und der Gedenkfeier dabei zu sein. Die Kontakte hatte Dr. Nuhn hergestellt, der auch Vorsitzender des Förderkreises Jüdisches Museum ist. Immer wieder flossen Tränen, gab es Umarmungen zu den bewegenden Ansprachen, Gesten und Erinnerungen.

Erinnerung war überhaupt das Wort dieses 7. Novembers: Sie gelte es wachzuhalten, waren sich alle Redner einig. Aus der Vergangenheit lernen, damit ein so menschenverachtendes Regime nie wieder Fuß fassen kann, wachsam zu sein gegenüber allen rechtsradikalen Tendenzen, „dem Antisemitismus und dem Rassismus die Stirn zu bieten - das sind wir den Opfern und deren Angehörigen schuldig, aber auch uns selbst“, sagte zum Beispiel Bürgermeister Christian Grunwald.

Bilder vom Gedenken

Gedenken an Pogrome in Bebra und Rotenburg

Auch um Schuld ging es, um die ganz normaler Rotenburger durch Wegsehen, Schweigen oder aktiver Beteiligung an Verfolgung ihre jüdischen Nachbarn. Prälatin Marita Natt nahm in ihrer die Christen dabei nicht aus: „Sie haben Christus verraten“, sagte sie und zitierte „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mth 25,40).

Gretel Aumann dankte auf Englisch den Organisatoren für diesen Tag der Erinnerung, der ein wenig Trost gegeben habe.

Von Silke Schäfer-Marg

Quelle: HNA

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