Alheimer-Kaserne: Reaktionen zur Flüchtlingsunterkunft

Rotenburg. Von der Entscheidung, dass Asylbewerber schon in wenigen Wochen in die Alheimer-Kaserne einziehen werden, wurden viele überrascht. Wir sammeln einige Stellungnahmen.

Bürgermeister Christian Grunwald (CDU) sieht bei aller Enttäuschung auch die Verantwortung: „Wir können uns nicht einfach wegducken unter der Flut der Hilfe suchenden Menschen.“ Er appelliert an alle Rotenburger, konstruktiv mit der Situation umzugehen und kein Klima der Angst und des Misstrauens entstehen zu lassen. Die Stadt, Vereine und die Kirche würden bereits daran arbeiten, Bindeglied zu sein zwischen den Flüchtlingen und der Bevölkerung: „Damit es eine Akzeptanz gibt für die Einrichtung, die sicher längerfristig in Rotenburg bleiben wird.“ Das bedeute nun aber auch, dass sich das Land mit den Forderungen der Stadt zügig auseinandersetzen müsse: „Wir müssen viel schneller als gedacht Ergebnisse erzielen.“ Dabei werde Grunwald die Sorgen, Fragen und Unsicherheiten der Menschen vor Ort beim Land vertreten.

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Die CDU-Landtagsabgeordnete Lena Arnoldt hat Verständnis für die Sorgen der Rotenburger, man müsse aber auch das Land verstehen, dass die Kaserne so schnell wie möglich beziehen muss. „Es gibt Angst vor diesem Unbekannten. Die müssen wir den Menschen nehmen, indem wir vernünftig informieren.“ Dafür sei noch genug Zeit. Was dabei überhaupt nicht helfe sei, dass durch Mutmaßungen noch größere Ängste schüre. Arnoldt habe Vertrauen in die Ministerien und das Regierungspräsidium Gießen, dass sie mit ihrer Erfahrung aus anderen Einrichtungen alles gut hinbekommen.

Der SPD-Abgeordnete Dieter Franz sieht sich in seiner Einschätzung bestätigt, dass das Land Hessen nicht bis Anfang 2016 mit einer Erstaufnahmeeinrichtung in Rotenburg warten werde. Spätestens vor dem Herbst werde sie gebraucht, damit die stetig wachsende Zahl an Flüchtlingen nicht in Zelten hausen muss. Franz sieht aber auch Gefahren: „Wo das so holterdiepolter passiert, ist es schwer, die Bürger bei diesem sensiblen Thema mitzunehmen.“ Er fordert erneut ein Sicherheitskonzept, das Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste umfasst: „Information ist alles in dieser Sache.“

„Diese Pläne überrumpeln uns total“, sagt der Vorsitzende der Rotenburger CDU-Stadtverordnetenfraktion, Jonas Rudolph. Die aktuellen Pläne machten eine gute Kommunikation und ausführliche Planung unmöglich: „Wir sind enttäuscht, dass die Stadt vor vollendete Tatsachen gestellt wird.“ Die Fraktion sehe viele ungelöste Probleme bei der Unterbringung derart vieler Flüchtlinge. „Wir sind uns aber der gesellschaftlichen Verantwortung bewusst und überzeugt, dass wir Rotenburger diese Herausforderungen meistern werden“, sagt der Stadtverbandsvorsitzende Andreas Börner . „Menschen die aufgrund von kriegerischen Konflikten oder Verfolgung zu uns kommen, werden gerne aufgenommen. Menschen hingegen, die aus rein wirtschaftlichen Absichten nach Deutschland kommen und keine Chance auf Asyl haben, müssen umgehend wieder ausreisen“, sagt Rudolph, der sich auch um die Sicherheit sorgt: „Wir fordern vom Land Hessen nicht nur einen Sicherheitsdienst in der Alheimerkaserne, sondern auch die Aufstockung der Kapazitäten der örtlichen Polizei. Die Flüchtlingen selbst fordern wir auf sich an die hiesigen Regeln zu halten.“

Die SPD-Fraktion im Stadtparlament von Rotenburg ist schockiert über die Art, wie mit den Verantwortlichen vor Ort umgegangen werde, erklärt der Vorsitzende der Stadtverordnetenfraktion, Volker Heise. Noch vor einer Woche habe Sozialminister Grüttner versprochen, dass die Bürger mitgenommen würden. „Diese dilettantische Vorgehensweise dass man scheibchenweise mit der seit Wochen bekannten Wahrheit herausrückt, zeigt uns einmal mehr, wie wenig Achtung und Respekt seitens dieser Landesregierung den Menschen entgegengebracht wird.“ Die SPD fordert, dass zentrale Forderungen schnell umgesetzt werden: Vergrößerung der Personalstärke der vorhandenen Polizeidienststelle, Vorlage einer dezidierten Sicherheits- und Sicherungsstrategie, Schaffung einer Stelle eines hauptamtlichen Integrationsbeauftragten, den Land und Bund bezahlen, der jedoch bei der Stadt Rotenburg angesiedelt wird. „Die gute und würdige Unterbringung von Asylbewerbern liegt uns am Herzen, genauso aber haben wir den Sorgen und Ängsten der Bürger vor Ort Rechnung zu tragen.

„Die Not, die vielen Flüchtlinge unterzubringen, ist einfach riesengroß“, versteht Kirchenkreis-Dekanin Gisela Strohriegl. Trotzdem sei es ärgerlich, dass sich die Ereignisse so überschlagen. „Bei der Bürgerversammlung am 16. Juli bräuchten die Rotenburger deshalb konkrete Informationen, auch darüber, welche Flüchtlinge in die Einrichtung kommen. Genauso wichtig sei es, etwas darüber zu erfahren, wie die Lebensbedingungen der Flüchtlinge in der Kaserne aussehen werden und welche Form der Unterstützung angebracht und notwendig ist. Kirche und Diakonie würden sehen, wie sie sich dabei einbringen. Wie viele andere seien sie schon jetzt über die Beratungsstelle für Flüchtlinge beim Diakonie-Zweckverband und das Café International im Bonhoeffer-Haus an der Flüchtlingsarbeit beteiligt. „Auf jeden Fall wird die Flüchtlingsunterkunft in der Kaserne eine Aufgabe für das ganze Gemeinwesen sein“, ist sich Strohriegl sicher.

Quelle: HNA

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