Entdeckernacht erstmals mit Schloss

Rotenburg. Faszinierte Blicke glitten über die reichhaltigen Stuckarbeiten an den Decken, bestaunten prunkvolle Säle, Säulen, schmuckvoll verzierte Treppengeländer. Die Entdeckernacht lockte am Samstag in Rotenburger Museen und Kirchen.

Die größte Anziehungskraft aber hatte das landgräfliche Schloss, das vom Studienzentrum der Finanzverwaltung und Justiz genutzt wird und deshalb sonst nicht für Besucher offensteht.

Burgfräuleins, bewaffenete Wächter und gar ein Gespenst in Ketten - alles verkleidete Bedienstete des Studienzentrums - bevölkerten das Schloss, während Gerhard Schade die Gäste, die sich im Fackelschein des Innenhofs versammelt hatten, durch die in klassische Musik getauchten Räume führte. Gerhard Schade war bis vor einem Jahr Geschäftsbereichsleiter im Studienzentrum und in der Entdeckernacht in ein mittelalterliches Gewand gehüllt.

Das im 15. Jahrhundert erbaute Schloss präsentiert sich seit 1790 in der heutigen dreiflügligen Gestalt. 1953 gelangte es in Besitz des Landes Hessen und wurde zum Ausbildungsort für Finanz- und Justizbedienstete. Von 1984 bis 1993 ließ das Land Hessen das Schloss für 51 Millionen D-Mark restaurieren.

Die Besucher in den Abendstunden erlebten ein beindruckendes Gebäude, das an verschiedenen Orten jeweils eine ganz unterschiedliche Atmosphäre erzeugen kann. Da ist die kühle Bibliothek mit gewölbter Decke, ehemals Ort für katholische Gottesdienste, wo die Fachbücher stehen.

Mittagessen wie Fürsten

Da ist der prunkvolle Speisesaal, wo sich die Studenten beim Mittagessen wie Fürsten vorkommen müssen. Da sind die steinernen Wendeltreppen in den Türmen, da sind nüchterne Lehrsäle mit Leuchtstoffröhren-Beleuchtung. Und da ist die schöngeistige Bibliothek, ein Salon ganz in weiß, der früher Musikzimmer war.

Die Entdeckernacht-Besucher schwärmten auch durch die Uhrensammlung des Kreisheimatmuseums, besuchten das Puppen- und Spielzeugmuseum, die Mikwe, das jüdische Ritualbad, kletterten auf den Turm der Martin-Luther-Kirche oder beobachteten die Maschinen im Wasserkraftwerk Haag. Die Kapelle St. Georg am Kindergarten ist noch weitaus älter als das Schloss. In ihren ehrwürdigen Gemäuern empfingen Besucher in den frühen Nachtstunden einen Abendsegen.

Von Achim Meyer

Fotostrecke: Eindrücke von der Entdeckernacht

Eindrücke von der Rotenburger Entdeckernacht

Quelle: HNA

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