Baptistengemeinde in Bebra löst sich nach mehr als 160 Jahren auf

Die Kapelle der Baptistengemeinde an der Friedrichstraße wird künftig von der Gemeinde „Hoffnung für alle“ genutzt. Fotos: Hefter

Bebra. In der Baptisten-Kapelle in Bebra geht am kommenden Sonntag, 15. September, eine Ära zu Ende. Die Evangelisch-Freikirchliche Baptisten-Gemeinde löst sich auf, weil die wenigen verbliebenen Mitglieder keine eigene Gemeinde mehr tragen können.

„Es geht nicht mehr“, berichtete Dorothea Schweitzer im Gespräch mit unserer Zeitung. „Jetzt wollen wir einen ordentlichen Abschluss machen.“ Die 73-Jährige gehört zur dreiköpfigen Gemeindeleitung.

Kümmert sich um die Auflösung: Dorothea Schweitzer.

Bei ihr liefen in den vergangenen Jahren die Fäden zusammen, nun kümmert sie sich um die Auflösung. Der feierliche Abschiedsgottesdienst, der um 14.30 Uhr in der Kapelle an der Friedrichstraße beginnt, steht unter dem Motto „Alles hat seine Zeit - für das vergangene Dank“. Gehalten wird der Gottesdienst von Claudia Schneider-Pflanz, Leiterin des Hauses der Begegnung in Rotenburg.

In ihrer Blütezeit in den 1950er- Jahren zählte die Bebraer Gemeinde fast 180 Mitglieder. Zuletzt waren es nur noch 13, davon die meisten so alt und krank, dass sie nicht mehr aktiv am Gemeindeleben teilnehmen konnten, erläuterte Dorothea Schweitzer. „Uns fehlen die jungen Leute“, berichtete sie. Nahezu alle Kinder der Mitglieder - auch ihre drei eigenen Söhne - haben Bebra wegen ihrer Berufsausbildung oder des Studiums verlassen und sind nicht zurückgekehrt. „Sie engagieren sich fast alle in Gemeinden, aber hier fehlen sie uns.“

Kein eigener Pastor mehr

Einen eigenen Pastor konnten sich die Bebraer Baptisten schon seit dem Jahr 2000 nicht mehr leisten: Als Freikirche bekommen sie kein Geld vom Staat, sondern müssen sich ausschließlich aus Beiträgen ihrer Mitglieder finanzieren. Bis 2009 kümmerte sich Willy Müller, Pastor im Ruhestand, um die Gemeinde, bevor er aus Altersgründen mit seiner Frau aus Bebra wegzog.

Die Kapelle mit Pastoren- und Hausmeisterwohnung, die dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschlang gehört, wird auch künftig als Gotteshaus genutzt werden: Von der Gemeinde „Hoffnung für alle“, die von Russlanddeutschen gegründet wurde und ihre Ursprünge in der Baptistenbewegung hat. Die Gemeinde feiert bereits seit einiger Zeit ihre Gottesdienste dort. Sie muss keine Miete zahlen, aber für den Unterhalt des Gebäudes aufkommen. „Wir finden diese Lösung wunderbar“, betonte Dorothea Schweitzer.

Den Mitgliedern der aufgelösten Baptistengemeinde steht es frei, welcher Gemeinde sie sich künftig anschließen wollen. Dorothea Schweitzer hat sich bei den Baptisten in Bad Hersfeld angemeldet.

Sie möchte aber den guten Kontakt zu den Bebraer Kirchengemeinden halten und sich weiterhin für die ökumenische Arbeit engagieren.

Von Susanne Hefter

Quelle: HNA

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