Susanne Fernau-Pröbster schließt ihr Geschäft für Pelzmoden an der Bebraer Auestraße

Das Ende einer Tradition

Zum Jahresende ist Schluss: Susanne Fernau-Pröbster, links im Bild mit ihrer Mitarbeiterin Vera Oster im Verkaufsraum, schließt ihr Pelzmoden-Geschäft. Damit endet eine über mindestens zehn Generationen gepflegte Familientradition der Kürschnerei. Foto: Meyer

Bebra. Susanne Fernau-Pröbster hat ihren Frieden gefunden mit der Entwicklung, die eine Jahrhunderte übergreifende Familientradition am 31. Dezember diesen Jahres zu einem Ende führt. Die 65-Jährige geht in den Ruhestand und schließt ihr Geschäft für Pelzmoden an der Auestraße in Bebra.

Seit 50 Jahren arbeitet Susanne Fernau-Pröbster im elterlichen Betrieb mit, seit 37 Jahren führt sie ihn. Die Familientradition der Kürschnerei lässt sich über mindestens zehn Generationen zurückverfolgen. Dass sie zu Ende geht, tut Susanne Fernau-Pröbster leid. Aber sie lächelt, wenn sie sagt, dass sie sich auf den Ruhestand freut – und auf die Enkelkinder.

Susanne Fernau-Pröbsters Weg vom thüringischen Berka in die Bundesrepublik führte im Kinderwagen über einen Kartoffelacker. Vater Oskar Pröbster baute Anfang der 50er Jahre das Haus an der Auestraße und eröffnete darin ein bald florierendes Geschäft für Pelzmoden. Der Betrieb mit 20 Mitarbeitern belieferte die großen Kaufhäuser und hatte einen bedeutenden Stammkunden: In Bebra wurde der Pelzbesatz für zahllose Mantelkrägen der deutschen Zollbeamten gefertigt.

Mit Freude dabei

Susanne Fernau-Pröbster lernte das Kürschnerhandwerk und erlangte den Meisterbrief. Sie hatte zunächst einen anderen Beruf lernen wollen, aber die Pelz-Verarbeitung bereitete ihr große Freude. Als sie 1976 das Geschäft übernahm, stand das Privatkundengeschäft bereits im Vordergrund. Für den Einbruch auch in diesem Bereich spätestens in den 1980er Jahren kennt Susanne Fernau-Pröbster den Grund: den Tierschutz.

Heute noch lässt sich der Zorn heraushören, den Susanne Fernau-Pröbster auf die Medien entwickelte. Hetzerisch und undifferenziert sei die Berichterstattung gewesen, und Zeitungen hätten selbst die Verarbeitung solcher Felle verteufelt, die bei der Jagd ohnehin anfielen. Susanne Fernau-Pröbster wehrte sich mit Leserbriefen, konnte aber nicht aufhalten, dass Pelzbekleidung in der Öffentlichkeit einen schlechten Ruf bekam.

Heute hat Susanne Fernau-Pröbster noch eine Angestellte, Vera Oster. Die steht in der Werkstatt und hat in diesen Tagen viel mit Änderungen zu tun, denn die Kunden wissen, dass das Geschäft bald schließt. Die Ware, die Susanne Fernau-Pröbster noch am Lager hat, wird sie noch bis Ende des Jahres zu ermäßigten Preisen verkaufen. Dass sie ihren Frieden gefunden hat, hängt auch damit zusammen, dass sie sich nichts vorzuwerfen hat, denn: „Das Kürschner-Handwerk ist ein aussterbendes Handwerk.“

Von Achim Meyer

Quelle: HNA

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