Vor 50 Jahren: Bebra wurde Mittelpunktschule für acht selbstständige Gemeinden

Das Ende der Dorfschulen

Damals wurde sie Mittelpunktschule: Heute befindet sich in den Gebäuden an der Luisenstraße die Brüder-Grimm-Grundschule. Foto:  Marcus Janz

Bebra. Vor rund 50 Jahren wurde das Ende der Volksschulen auf den Dörfern in unserer Region eingeläutet: Damals wurde beschlossen, in Bebra eine Mittelpunktschule einzurichten. Beteiligt waren acht zu dieser Zeit noch selbstständige Gemeinden rund um Bebra und die Stadt selbst.

Die Schüler aus den Dörfern ab Klasse fünf sollten künftig die neue Mittelpunktschule an der Luisenstraße in Bebra besuchen. Zum 1. April 1964 wurde die Öffentlich-rechtliche Vereinbarung wirksam. Der 1. April wurde vermutlich gewählt, weil damals die Schuljahre noch nach Ostern begannen – nicht wie heute nach den Sommerferien.

In den Dörfern sollten nur noch die Klassen eins bis vier verbleiben. Für einige Dorfschulen bedeutete dies das Ende. So wurde beschlossen, dass die Grundschüler aus Braunhausen und aus Rautenhausen künftig in Asmushausen zur Schule gehen sollten. Ohne die älteren Schüler wären hier weniger als 20 Kinder übrig geblieben. In Imshausen gab es – noch bis 1972 – ein Kinderheim im Herrenhaus (vormals Untermühle), weshalb man „zur Entlastung des Lehrers hier anstrebte, schon bald die Oberstufe ab dem 5. Schuljahr nach Bebra zu geben“, hieß es im Februar 1964 im Fuldaboten.

Zu Grundschulen wurden mit dem Beschluss auch die Volksschulen in Gilfershausen, Blankenheim sowie Breitenbach/Lüdersdorf.

Insgesamt rechnete man mit etwa 1080 Schülerinnen und Schülern, die an der erweiterten Volksschule an der Luisenstraße Platz finden müssten. Für die Fahrtkosten der auswärtigen Volksschüler sollte das Land Hessen aufkommen.

Um die älteren Schüler der umliegenden Dörfer an der Schule Luisenstraße aufnehmen zu können, wurden zwölf neue Klassenräume sowie Fach- und Verwaltungsräume gebaut, darunter auch ein Aufenthaltsraum für die Fahrschüler, unterteilt nach Mädchen und Jungen. Auch eine große Turnhalle gehörte dazu, ebenso ein Schulverkehrsgarten, in dem seitdem Generationen von Kindern – auch aus dem übrigen Kreisteil Rotenburg – verkehrsgerechtes Fahrradfahren gelernt haben.

Baukosten drei Mio. Mark

Für die Erweiterung rechnete man mit drei Millionen DM Baukosten, wovon 70 Prozent vom Land kommen sollten, zehn Prozent vom Kreis. Für die Stadt Bebra – damals Schulträger – rechnete man mit 600 000 DM.

Die bis 1972 selbstständigen Gemeinden, heute allesamt Ortsteile von Bebra, sollten ihre eigenen Schulen so weit wie möglich behalten und verwalten. Die Öffentlich-rechtliche Vereinbarung sah vor, dass sie je nach Zahl ihrer Volksschüler, die die neue Mittelpunktschule in Bebra besuchten, zum Betrieb und zur Gebäudeabschreibung beitragen sollten. Die Kosten pro Schüler sollten etwa bei 85 DM liegen, maximal aber bei 100 DM, hieß es im Fuldaboten. An den Baukosten in Bebra wurden die kleinen Gemeinden nicht beteiligt.

In Bebra gab es übrigens noch eine zweite Volksschule, die Backsteinschule in Rathausnähe, die damals gerade für 100 000 DM modernisiert worden war. Darin befindet sich nun seit elf Jahren das Staatliche Schulamt für die Kreise Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner. (ank)

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

Quelle: HNA

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