Ein Küster mit Herzblut

Für Ehrenamt: Otto Schmidt bekommt Elisabeth-Medaille

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Für Engagement in der Kirche: Der Gilfershäuser Otto Schmidt erhielt die Elisabeth-Medaille

Gilfershausen. In der Kirche in Gilfershausen kennt Otto Schmidt sich aus. Zu fast jeder Ecke, jeder Nische und jedem Einrichtungsgegenstand dort scheint er eine Geschichte zu wissen.

Seit 22 Jahren ist der 62-Jährige als Küster in der Gemeinde tätig und seit 18 Jahren im Kirchenvorstand. Das Küsteramt teilt er sich mit seiner Frau Gisela.

Am Sonntag ist Schmidt dafür mit der Elisabeth-Medaille geehrt worden. Axel Dück, stellvertetender Dekan des Evangelischen Kirchenkreises Hersfeld-Rotenburg, überreichte ihm in einem Gottesdienst diese höchste Auszeichnung der Landeskirche für ehrenamtliches Engagement in der Kirche. Außerdem ehrte Dück dort auch Bärbel Hollstein für ihr 42-jähriges Engagement im Kirchenvorstand mit der Maria-Magdalena-Medaille.

Die Kirche ist so etwas wie Schmidts zweites Zuhause: Manchmal sei er bis abends um 23 Uhr dort beschäftigt, sagt Schmidt. Er schneidet Rosen und harkt Beete auf dem Außengelände, kontrolliert die Heizung, hängt Wandteppiche auf und schmückt in der Vorweihnachtszeit den Adventskranz. Wenn etwas zu renovieren ist, dann packt er an. In den vergangenen drei Jahren hat er unter anderem dabei geholfen, Orgel und Glockenanlage und Elektroinstallation auf Vordermann zu bringen. Letztere wurde zu einem Teil aus Spenden von Gemeindemitgliedern finanziert, erklärt Schmidt. Er selbst sei im Dorf von Tür zu Tür gegangen und habe Spender angeworben. Die große Bereitschaft, etwas für die Kirche zu geben, motiviere ihn – es zeige ihm, dass den Menschen im Ort etwas an der Kirche liege. Deshalb betreibt er sein Küster-amt mit viel Herzblut.

Schmidt bezeichnet sich selbst als heimatverbunden. Er fahre zwar gerne mal in den Urlaub, an die Ostsee und an die Nordsee. „Aber wenn ich dann nach Hause komme und meinen Kirchturm wieder sehe, bin ich froh.“

Viele Erinnerungen sind für ihn mit diesem Gebäude verbunden. Anfang der 90er-Jahre stand die Taufschale noch auf dem Altar, erklärt er. „Die Taufpaten wussten damals nicht, wo sie stehen sollten, rechts oder links vom Altar, und haben sich dann immer verrenkt.“ Deswegen musste ein Taufständer her. Im oberen Teil der Kirche befindet sich der Zugang zum Turm. Hier hat Schmidt an der Wand einen Schriftzug entdeckt und entziffert: Der Malermeister Heinrich Führer hat sich und sein Personal bei der Renovierung im Jahr 1949 hier verewigt. Einer der Namen ist Franz Eifert aus Solz, damals Auszubildender in dem Betrieb. „Als ich ihm das gezeigt habe, hat er vor Rührung geweint“, sagt Schmidt.

von Marc Hörcher

Quelle: HNA

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