Elisa Holl betreute ein halbes Jahr Kinder in Ghana

Elisa mit Straßenkind: Zwei Monate lebte sie mit den Ärmsten der Armen in Accars Stadtteil Jamestown.

Rotenburg. Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit: Wenn man den Hahn aufdreht, kommt Wasser. Für Elisa Holl war dies Ende April der reine Luxus. Gerade war die Rotenburgerin aus Ghana zurückgekehrt. Ein halbes Jahr lang hatte sie dort ehrenamtlich Kinder und Jugendliche betreut.

Fließendes Wasser und eine regelmäßige Stromversorgung gab es dort nicht häufig. Dafür aber eine unglaubliche Lebensfreude auch unter den Ärmsten der Armen, Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft. Elisa denkt mit Freude an ihre Zeit in dem westafrikanischen Land zurück. Die 21-jährige Heilerziehungspflegerin war mit der Organisation Praktikawelten nach Afrika gereist. Den Kontinent fand sie schon immer faszinierend, erzählt sie. Und sie wollte nach Ghana, weil das Land wenig von westlichen Einflüssen geprägt sei.

Jeweils zwei Monate arbeitete sie in einem Waisenhaus, in einem Kindergarten und mit Straßenkindern aus Jamestown, dem Armenviertel der Hauptstadt Accar. „Anfangs habe ich schon einen Kulturschock erlebt. Der Müll überall auf den Straßen, die Korruption und Willkür bei der Polizei und dann noch die Hitze dazu...“

Straßenkindern helfen

Matratzen für das Waisenhaus: Elisa Holl, rechts, und ihre Mitpraktikantin Mona Hochheim hatten bei ihren Familien und Freunden um Spenden gebeten und konnten so 20 Matratzen und Kissen für die Waisenkinder kaufen. Das Geld floss so reichlich, dass die beiden jungen Frauen jedem Kind noch einen persönlichen Wunsch erfüllen konnten. Fotos:  privat

Doch relativ schnell lebte sie sich ein. Besonders die Arbeit mit den Straßenkindern sorgte offenbar für tiefe Befriedigung. Elisa und ihre Mitpraktikantin Mona Hochheim aus Südhessen halfen den Kindern bei Hausaufgaben und betreuten sie in der Freizeit. Sie achteten darauf, dass die Kinder regelmäßig zur Schule gingen, Schuluniform und Bücher wurden von einer Hilfsorganisation bezahlt. Allerdings mussten einige der Jungen und Mädchen oft vor dem Unterricht arbeiten, um Geld für ihre Familien zu verdienen. „Das ist schwierig. Denn die Kinder wollen ja lernen und in die Schule gehen“, hat Elisa beobachtet. „Sie sind unheimlich dankbar, dass ihnen über eine Stiftung der Schulbesuch ermöglicht wird.“

Auch ein großes Weihnachtsfest organisierten sie für die Kinder. Dabei war unerheblich, welcher Religion sie angehörten. Alle hatten Spaß, bekamen Essen. Die beiden jungen Deutschen hatten zuvor bei den Vertretungen großer Konzerne Spenden für die Feier gesammelt.

Die Arbeit in einem Kindergarten war für Elisa Holl weniger schön. Denn Schläge mit einem Rohrstock gehören zu den Erziehungsmethoden in Kindergärten und Schulen - kaum erträglich für eine in Deutschland ausgebildete Erzieherin. Schließlich arbeiteten Elisa und Mona zwei Monate lang in einem muslimischen Waisenhaus, in dem 40 Kinder und Jugendliche untergebracht waren. Dort übten sie mit 20 Jungen im Alter zwischen zehn und 21 Jahren, die nie in einer Schule waren und ausschließlich arabisch sprachen, die englische Sprache. Ein Übersetzer half dabei.

Spendenaktion

Als die jungen Frauen bemerkten, dass die Kinder nur auf ihren Gebetsteppichen auf dem Beton übernachteten, starteten sie zu Hause eine Spendenaktion. Familien und Freunde gaben so viel Geld, dass die beiden 20 Matratzen und Kopfkissen anschaffen und zudem jedem Kind einen Wunsch erfüllen konnten.

Fünf Tage in der Woche arbeitete Elisa, am Wochenende bereiste sie mit Mona das Land. Sie übernachteten bei Bekannten von Bekannten oder in Hotels. Heute sagt sie: „Ich würde immer wieder nach Ghana gehen. Ich denke noch oft an die Zeit dort.“ Sie habe viel an Lebenserfahrung gewonnen und gelernt, die Selbstverständlichkeiten in Deutschland mehr zu schätzen. Fließendes Wasser zum Beispiel.

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Von Silke Schäfer-Marg

Quelle: HNA

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