Vor 50 Jahren: Umstellung der Bahnstrecke von Dampf auf Strom – Bauabschnitt von 320 Kilometern fertig

Elektro-Loks fahren bis Hannover

+
Elektrifizierung der Nord-Südstrecke: Am 25. Mai 1963 fährt der elektrische Sonderzug in den Bahnhof von Bebra ein. 

Bebra. Mit einem elektrischen Sonderzug hat die Bundesbahn heute vor 50 Jahren, am Freitag, 24. Mai 1963, den elektrischen Betrieb auf der rund 320 Kilometer langen Strecke von Gemünden/Main über Fulda, Bebra, Eichenberg, Göttingen nach Hannover aufgenommen.

Damit war der bis dahin größte Streckenabschnitt von Dampf auf Strom umgestellt worden. Von Süden her bis Bebra liefen die Züge bereits seit dem 8. März 1963 elektrisch.

Mit bis zu 140 Kilometern pro Stunde sauste der Zug Richtung Norden, wo die Dampflokomotiven zur Begrüßung in Hannover minutenlang heulten, wie die Hessische Allgemeine damals berichtete.

Zum Heulen hatten die Dampfloks noch einen weiteren Grund. Bis spätestens 1971 sollten sie auf den Schienen der Bundesbahn verschwunden sein. Die Bahn wollte Kosten und Personal sparen. 60 000 Arbeitsplätze waren in fünf Jahren schon „ohne soziale Härten“ weggefallen, wie es hieß. Außerdem sollten die Fahrgäste angenehmer befördert werden. „Prominenz und Gäste bestaunten den angenehm ruhigen Lauf der zum Teil in Kassel gebauten Wagen des Rheingold-Expresses und fühlten sich in den verstellbaren, himmelblauen Sitzen des modernsten deutschen Fernzuges wie zu Hause“, stand damals in der Zeitung.

Prominenz kam zur feierlichen Inbetriebnahme nach Bebra: von rechts vorn Bürgermeister Adolf Birkelbach, Mininsterpräsident Albert Osswald, DB-Präsident Dr. Heinz Mario Oeftering, Bundesverkehrsminister Dr. Hans-Christoph Seebohm.

Bis Ende des Jahres sollte der Zugverkehr bis Hamburg und Bremen elektrisch abgewickelt werden, bis zu 200 Kilometer pro Stunde sollten auf einer Teilstrecke gefahren werden.

Die Elektrifizierung der Nord-Süd-Strecke zwischen den Seehäfen im Norden und Frankfurt/Würzburg war laut Bericht in der Hessischen Allgemeinen 885 Kilometer lang. Begonnen hatte man 1960, bis 1965 sollte der Schienenstrang bis zur Nordsee liegen.

In den Mittelgebirgen mussten bis zu zwölfeinhalb Prozent Steigung überwunden werden. Dafür brachte die Elektrifizierung für einen Güterzug von Hannover nach Nürnberg 2 1/4 Stunden Zeitersparnis. Die elektrischen Loks waren außerdem stärker als die Dampfloks. Die mögliche Zuglast erhöhte sich um 300 auf 1500 Tonnen.

Züge wurden länger

Historischer Moment: Hauptlokführer Christian Ebert, links, und Daniel Gerlach, beide aus Bebra, steuerten abwechselnd die E-Lokomotive des Zuges Rheingold.

Viele Tunnels und Brücken mussten für die Elektrifizierung umgebaut, Bahnstromleitungen gebaut und Freileitungen verkabelt werden. Auf Bahnhöfen musste umgebaut werden, um dort den Betrieb der schwereren E-Loks mit ihren längeren Zügen bewältigen zu können. Dazu mussten, wie auch heute wieder, der Personenbahnhof und der Rangierbahnhof Bebra modernisiert werden. Allerdings konnten nun zahlreiche Weichen eingespart werden, so wurde im Teil „Fulda-Bote“ der Hessischen Allgemeinen berichtet.

Auf der Cornberger Höhe wurden ein Sendemast mit einer Höhe von 50 Metern und einer Funkstation errichtet. Sie diente der schnellen Übertragung von Schaltaufträgen. Das für die Unterhaltung zuständige Personal am neuen Schienenstrang erhielt bewegliche Funkstationen.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

Quelle: HNA

Kommentare