Interview mit „Tatort-Kommissar“ Richy Müller, der in Wedels Hexenjagd spielen wird

Richy Müller ist Einer zum Anfassen

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So kennen ihn die Fernsehzuschauer: Richy Müller in einer Szene als Tatort-Kommissar Thorsten Lannert auf der Jagd nach Verbrechern. In Bad Hersfeld wird der Schauspieler Hexen jagen.

Bad Hersfeld. Richy Müller, bekannt als Kommissar Lannert aus dem Stuttgarter Tatort, wird bei den Bad Hersfelder Festspielen auf Hexenjagd gehen. In der Inszenierung von Dieter Wedel wird er die männliche Hauptrolle des Reverend Hale spielen. Zurzeit dreht Müller für das ZDF mit Katja Flint in Dresden. Dort erreichte ihn Kai A. Struthoff zu einem Interview.

Herr Müller, Hand aufs Herz, kannten Sie die Bad Hersfelder Festspiele, bevor Ihnen Dieter Wedel die Hauptrolle in „Hexenjagd“ angeboten hat?

Richy Müller: Ich kannte die Festspiele vom Hörensagen, aber ich hätte nie damit gerechnet, dort einmal zu arbeiten. Ich habe bislang erst einmal in Würzburg Freilufttheater gespielt, und das war vor 30 Jahren. Das besondere daran ist, dass man richtiges Theater macht, aber eben nicht in einem Guckkasten, sondern in der freien Natur.

Wenn wir schon weit zurückblicken in Ihrer Schauspielkarriere, sprechen wir doch über die „Große Flatter“. Wie wichtig war dieser Film für Ihre Karriere?

Müller: Sehr wichtig, aber er ist eben auch Geschichte. Das war meine erste Arbeit, direkt nach der Schauspielschule. Damals habe ich aus dem Bauch heraus die Rolle gespielt, ohne es groß zu hinterfragen. Erst viel später habe ich dann wieder angefangen, mehr mit dem Bauch als mit dem Kopf zu arbeiten. Inzwischen wird dieses Buch sogar im Deutschunterricht gelesen. Nachdem ich die Rollen in diesem Straßenfeger-Film gespielt habe – die Einschaltquote lag beinahe bei 50 Prozent – nannten mich viele nur noch Richy. Deshalb bin ich bei diesem Namen geblieben, obwohl ich eigentlich Hans-Jürgen heiße.

Die meisten Zuschauer kennen sie als Tatort-Kommissar aus dem Fernsehen. In Bad Hersfeld müssen sie aber Theater auf einer sehr, sehr großen Bühne spielen. Haben Sie davor ein bisschen Bammel?

Müller: Nein das ist mir eigentlich egal, weil ich früh gelernt habe, mich nicht unter Druck zu setzen. Ich weiß auch jetzt noch nicht, wie ich diese Rolle spielen werde, was in mir entstehen wird. Doch mit Hilfe von Herrn Wedel und meinen Kollegen werde ich es dann bald spüren. Deshalb bin ich recht entspannt. Noch weiß ich auch gar nicht genau, wie groß diese Bühne wirklich ist. Ich weiß nur das wir mit Mikrofon arbeiten werden, was mir zu gute kommt, da ich Freund leiser Töne bin. Ich spreche eben lieber aus dem Herzen als mit Stütze.

Was reizt Sie an der Rolle des Reverend Hale, der so eine Art oberster Hexenjäger ist?

Müller: Vor allem sein Sinneswandel. Hale ist fest davon überzeugt, dass er Hexen erkennen kann. Aber er merkt eben auch, dass dort Willkür stattfindet, zum Beispiel um unbequeme Menschen loszuwerden. Als er merkt, dass Menschen einfach der Hexerei bezichtigt werden, sagt Hale dass er damit nicht einverstanden ist und handelt.

Dieter Wedel betont vor allem, dass das Stück auch heute noch aktuell sei und nennt als Beispiel die mediale Hexenjagd auf Bundespräsident Wulff. Wo sehen Sie aktuelle Bezüge?

Müller: Damit tue ich mich etwas schwer. Denn solche Aussagen sind ein wenig so, als würde man selbst jemand der Hexerei bezichtigen. Der Fall Böhmermann trägt Züge einer Hexenjagd. Oder auch der Anschlag auf Charlie Hebdo. Trotzdem möchte ich mich da zurückhalten. Etwas besonders zu mögen beinhaltet für mich auch immer, etwas besonders nicht zu mögen. Und das birgt Gefahren. Ich habe deshalb auch keinen Lieblingsfilm oder eine Lieblingsspeise. Das was ich im Moment mache ist mir immer das liebste. Im Hier und Jetzt.

Sie haben im Film, „Die Affäre Semmeling“ schon mal mit Dieter Wedel zusammengearbeitet. Er gilt als nicht ganz einfacher Regisseur. Wie kommen Sie mit ihm klar?

Müller: Sehr gut. Denn ich habe früh erkannt, das es beim Arbeiten an einer Rolle nicht um den eigenen Geschmack geht, sondern darum, herauszufinden was der Regisseur in dieser Figur sieht und dies dann mit aller Kraft und Energie umzusetzen. Sieht er die Figur blau, dann habe ich die Freiheit alle Blautöne zu benutzen, die uns das Leben bietet.

Können Sie uns denn auch schon etwas über Ihren nächsten Tatort erzählen?

Müller: Ja, der kommt im Herbst, und er spielt im Computerbereich. Die Geschichte stammt von Niki Stein. Für die Kommissare ist die Cyber-Kriminalität ein ganz neuer Bereich, sodass sie sich erstmal durchfragen müssen.

In Bad Hersfeld herrscht ein besonders inniges Verhältnis zwischen der Bevölkerung und den Schauspielern. Sie werden hier bestimmt oft erkannt und angesprochen werden. Nervt Sie das, oder sind Sie ein Star zum Anfassen?

Müller: Ich bin gar nicht genervt, und ich fasse die Leute auch von mir aus an. Oft übernehme ich die Initiative und sage beispielsweise: ‘Wollten wir nicht gerade zusammen ein Foto machen?’ Dann gehen die Leute meist mit einem Lächeln nach Hause. Ich bin einer zum Anfassen.

Quelle: HNA

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