Mit einem Handwagen ging's los: Dachdecker Heupel aus Rotenburg blickt zurück

Großer Autokran statt Handwagen: Die Belegschaft der Alfred Heupel GmbH ist in den vergangenen über 40 Jahren ebenso gewachsen, wie ihr Fuhrpark. Foto: Privat/nh

Rotenburg. Die Zeiten, als sein Vater Alfred Heupel noch mit dem Handwagen voller Werkzeug von der Hochmahle aus unterwegs war, um Sturmschäden an Hausdächern in Rotenburg zu beheben, sind lange vorbei.

Doch so fing Anfang der 1960er-Jahre alles an. Der erste VW-Bus wurde angeschafft, die ersten Mitarbeiter eingestellt. Inzwischen führt Sohn Bernd Heupel ein modernes Dachdeckerunternehmen an der Rotenburger Industriestraße - mit 20 Mitarbeitern, die draußen auf den vielen Baustellen arbeiten, und dreieinhalb Stellen, die sich die Büroarbeit teilen.

Ein Familienbetrieb sind sie geblieben. Das zeigt schon die halbe Stelle. Die ist mit Bernd Heupels Ehefrau Claudia, die gelernte Sekretärin ist, besetzt.

Manchmal kribbelt es noch

Draußen handwerklich selbst mit anfassen - das kommt bei Dachdeckermeister Bernd Heupel allerdings nur noch äußerst selten vor. „Manchmal zieht es mich aber noch raus - etwa bei Schieferarbeiten, die mache ich echt gerne“, sagt der 49-Jährige. Auch, als vor einigen Jahren in die Braacher Kirche der Blitz eingeschlagen hatte und der Kirchturm komplett neu geschiefert werden musste, „hat es gekribbelt - da wollte ich unbedingt dabei sein“, berichtet er. Seine Mitarbeiter hat er am heutigen Tag auf sieben verschiedenen Baustellen im Einsatz - 21 Baustellen sind es zurzeit insgesamt. Die Firma ist überwiegend in Nordhessen - von Fulda bis nach Kassel - tätig.

Besonders froh ist der Firmeninhaber, dass seit Juli mit Michael Heupel ein gelernter Zimmermeister zum Team hinzugekommen ist. Mit Zimmerarbeiten als neuem Geschäftsfeld kann die Firma nun Komplettlösungen fürs Dach anbieten. Davon verspricht sich Bernd Heupel weiteren Kundenzulauf - „denn viele wollen fürs Dach lieber nur eine Firma beauftragen“.

Die Belegschaft: In den vergangenen 40 Jahren deutlich gewachsen.

Zwei Dachdecker-Auszubildende beschäftigt der Betrieb zurzeit. Nachwuchs zu finden, sei aber oft nicht leicht. „Das Handwerk hat leider ein Imageproblem“, findet Heupel. Das Klischee, dass ein handwerklicher Beruf viel Kraft erfordere und man mit den Händen arbeiten müsse, aber nicht viel mit dem Kopf - das stimme so nicht. „Die Anforderungen steigen - das verkennen leider viele“, sagt er. Probleme gebe es dann in der Berufsschule und beim Berichtshefteschreiben. Deshalb achte er schon bei den Bewerbungen darauf: „Wer sich mit einem schwachen Hauptschulabschluss bei uns bewirbt, der hat leider nur geringe Chancen“, sagt er. Wer die Ausbildung schafft, hat allerdings gute Chancen auf einen Job: „In der Regel haben wir unsere Auszubildenden immer übernommen“, sagt Heupel. Einige hätten sich danach auch mit eigenen Firmen selbständig gemacht.

Beim Renovieren gefunden

Vater Alfred Heupel ist als Namensgeber der Firma selbst nur noch selten im Betrieb. Ein altes Firmenschild, das beim Renovieren aufgetaucht ist, erinnert im Eingangsbereich allerdings an ihn und die Anfänge - als der Handwerker noch mit dem Handwagen loszog.

Von Autokran bis Zimmerarbeiten

1964 gründeten Alfred und dessen kürzlich verstorbene Frau Christa den Rotenburger Dachdeckermeisterbetrieb - damals noch mit Sitz auf der Hochmahle. 1967 zog die Firma auf ihr jetziges Firmengelände im Rotenburger Gewerbegebiet an die Industriestraße um. 1975 wurde das Firmengelände auf 7000 Quadratmeter vergrößert - 1987 und 1988 kamen das heutige Bürogebäude und die Lagerhallen hinzu. 1999 übernahm Sohn Bernd Heupel den Betrieb vom Vater. Er ist seit 1992 Dachdeckermeister. Neben Arbeiten an Flachdach, Steildach und Fassade gehören Bauklempnerei, Gerüstbau und Zimmerarbeiten zum Leistungsangebot. Auch der Verleih eines großen Auto-Telekrans zählt dazu.

Quelle: HNA

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