Gundula Pohl unterstützt Besnik Gashi aus dem Kosovo

Flüchtlingsberatung der Diakonie in Bad Hersfeld

Flüchtlingsberaterin Gundula Pohl hat auch Besnik Gashi betreut, der 1998 aus dem Kosovo nach Deutschland kam. Inzwischen hat Gashi in Bad Hersfeld eine Familie und Arbeit. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. In einem Lkw machte sich Besnik Gashi aus dem Kosovo 1998 als junger Mann auf den Weg Richtung Deutschland, wo schon Brüder und Schwestern von ihm lebten. Der damals 19-Jährige wollte der Armee entgehen, denn in seiner Heimat herrschte Krieg.

In einem Lkw, gemeinsam mit drei anderen Männern, sei er unterwegs gewesen, sagt er. 5500 DM habe ihn diese Reise gekostet, die allerdings nicht ganz planmäßig verlief, ihn aber schließlich doch noch nach Deutschland verschlug. Über die Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen kam Gashi schließlich in den Kreis Hersfeld-Rotenburg. Am 13. September 1998 meldete er sich bei der Ausländerbehörde in Bad Hersfeld.

Heute hat der ehemalige Asylbewerber nicht nur seit 13 Jahren einen Job in der Pizzeria am Lullusbrunnen in Bad Hersfeld und eine Familie mit Frau und zwei kleinen Kindern, sondern auch eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis.

Im Alltag Deutsch gelernt

„Herr Gashi ist ein Beispiel für gelungene Integration“, findet Gundula Pohl von der Flüchtlingsberatung des Zweckverbands Diakonie für die Kirchenkreise Hersfeld und Rotenburg. „Er hat sich durchgebissen.“ Anteil daran hat aber auch die 45-jährige Diplom-Sozialarbeiterin und -Sozialpädagogin, die Gashi fast von Anfang an mit Rat und Tat zur Seite stand, wenn es um darum ging, Formulare auszufüllen oder Anträge zu stellen. „Viele brauchen noch lange Hilfe“, weiß Pohl.

Nach drei Jahren in der damaligen Asylunterkunft in Niederaula konnte Besnik Gashi zunächst eine Wohnung im Stadtteil Hohe Luft beziehen. Deutsch habe er im Alltag und bei der Arbeit gelernt, denn spezielle Kurse für Asylbewerber gab es noch nicht, als Gashi nach Bad Hersfeld kam.

„Da hat sich zum Glück einiges getan“, freut sich Pohl über den jetzigen Anspruch, Flüchtlinge möglichst früh zu integrieren, wozu eben auch ausreichende Sprachkenntnisse gehörten.

Obwohl Gashi schnell einen Job fand und Hilfe bei der Flüchtlingsberatung bekam, habe er in all den Jahren immer Angst vor der Abschiebung gehabt. „Manchmal habe ich deshalb auch nach einem langen Arbeitstag nicht geschlafen“, berichtet der 34-Jährige.

 An den genauen Tag vor etwa fünf Jahren, an dem er eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung erhielt, erinnert sich Gashi nicht mehr. Dafür vergisst er einen Tag nicht, an dem er in der Fußgängerzone von Polizisten aufgegriffen wurde, die seine Duldungspapiere nicht akzeptieren wollten. „Alle haben mich angestarrt“, so Gashi, der die Situation aber schließlich aufklären konnte. 

Mit seinem Leben in Bad Hersfeld ist der ehemalige Flüchtling zufrieden. „Ich habe Arbeit und ein geregeltes Leben.“ Kontakt in die alte Heimat hat Gashi nicht mehr. „Fast alle sind nach Deutschland gekommen“, sagt er, die Eltern sind längst verstorben. Auch sein Heimatdorf im Kosovo existiere seit dem Krieg nicht mehr.

Seit 1980 gibt es die Flüchtlingsberatung des Zweckverbands Diakonie für die Kirchenkreise Hersfeld und Rotenburg, seit 1996 ist Gundula Pohl als Ansprechpartnerin für Ratsuchende im Landkreis Hersfeld-Rotenburg dabei. Bei ihr erhalten Asylbewerber Hilfe und Beratung bei Anträgen und Formularen, aber auch bei ganz praktischen Dingen. „Ich habe viele verschiedene Phasen und dramatische Schicksale erlebt“, sagt die 45-Jährige, angefangen bei Kriegsflüchtlingen aus dem ehemaligen Jugoslawien Ende der 90er-Jahre bis hin zu Asylsuchenden aus Afrika, von denen heute viele nach Deutschland kommen.

Über 100 Klienten hat Pohl im Jahr; manche kommen nur einmal, andere regelmäßig. In Bad Hersfeld, Rotenburg und Bebra bietet Pohl Sprechstunden an, sie schaut aber auch vor Ort in den Gemeinschaftsunterkünften oder in den Wohnungen vorbei. „Aus Jux und Dollerei kommt keiner.“ Gundula Pohl Finanziert wird die Flüchtlingsberatung der Diakonie rein aus Kirchenmitteln. „So entstehen auch keine Interessenkonflikte und man kann sich ganz auf den Menschen konzentrieren“, meint Pohl. Für Janosz König, Pfarrer und Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Rotenburg, erfüllt die Kirche damit einen Grundauftrag. „Das Thema ist immer aktuell, aber gerade ganz besonders“, sagt König etwa mit Blick auf die syrischen Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, oder die Dramen, die sich vor Lampedusa abspielen.

 „Europa ist ein Verschiebebahnhof, und es gibt zu viele unterschiedliche Standards in den Ländern“, weist Gundula Pohl auf die komplexe Thematik der Flüchtlingspolitik hin. Wenn über „Sozialtourismus“ und die Kosten für die Aufnahme von Asylsuchenden diskutiert wird, ärgert Gundula Pohl zumindest eins: „Es geht doch um Menschen und die Menschenwürde, auf dem Rücken der Flüchtlinge sollte keine Politik gemacht werden.“ Und eines sei klar: „Aus Jux und Dollerei kommt keiner.“ Sie erlebe zudem viele motivierte, junge Menschen.

Der Kontakt zu Besnik Gashi aus dem Kosovo besteht nach wie vor, auch wenn sein Aufenthaltsstatus inzwischen gesichert ist und der seiner Kinder zunächst bis zum 18. Lebensjahr. Denn nicht ganz einfach ist die Situation mit Gashis Ehefrau, die ebenfalls aus dem Kosovo stammt. Sie ist Analphabetin und darf derzeit nur aus „humanitären Gründen“ in Deutschland bleiben. (nm)

Quelle: HNA

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