66. Bad Hersfelder Festspiele

Eichhof-Kritik: „Unsere Frauen“ ist ein dynamisches Kammerspiel

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Auf der Bühne agieren nur Männer, trotzdem geht es permanent um Frauen: Mathieu Carrière, Justus Carrière und Ulrich Bähnk (von links) liefern sich in „Unsere Frauen“ am Schloss Eichhof mitunter hitzige Diskussionen.

Bad Hersfeld. Drei Männer, ein Ort und die Frage, was eine gute Freundschaft eigentlich ausmacht: „Unsere Frauen“ von Jean-Claude Berutti, das am Freitagabend am Schloss Eichhof als Außenstätte der Bad Hersfelder Festspiele Premiere feierte, ist ein dynamisches Kammerspiel, das von geistreichen Dialogen sowie der Bühnenpräsenz und dem Zusammenspiel der Darsteller lebt.

Mathieu Carrière, Justus Carrière und Julius Bähnk repräsentieren mit Paul, Max und Simon drei ganz unterschiedliche Typen, vereint im regelmäßigen Pokerspiel.

Als Simon den beiden anderen an einem solchen Pokerabend gesteht, nach einem Streit seine Frau erwürgt zu haben und sie um ein falsches Alibi bittet, wird die Beziehung der drei auf eine harte Probe gestellt. Wie weit darf man für einen guten Freund gehen, wozu verpflichtet Freundschaft, wann wird das Verschweigen der Wahrheit zur Lüge und entscheidet man(n) nun besser mit dem Herzen oder dem Kopf?

Schnell zeigt sich, dass bei den vermeintlich guten Kumpels, die sich seit 30 Jahren kennen, auch Neid, Missgunst und Manipulation eine Rolle spielen.

Der hagere Mathieu Carrière spielt Paul als intellektuell-sensiblen Arzt, der auf der Suche nach Harmonie nur wenig Ahnung von seiner Familie hat. Sein Cousin Justus Carrière verleiht Max als vermeintlich geradlinigem und ebenso impulsivem Menschen mit Mimik und Gestik gleichzeitig Kraft und Verletzlichkeit. Ulrich Bähnk mimt den mehr oder weniger erfolgreichen Geschäftsmann Simon, der einerseits Großkotz, anderseits verständnisvoller Zuhörer ist, so dass man fast enttäuscht ist, dass Paul im Stück eine ganze Weile einfach nur schläft.

Komödie und Thriller

Zwischen Komödie und Thriller siedelt Berutti das Stück an. Lachen und nachdenken, beides ist erlaubt.

Uraufgeführt wurde „Unsere Frauen“ 2013 im Théâtre de Paris in Paris. Beruttis deutschsprachige Inszenierung des Werks von Éric Assous (deutsch von Kim Langer) wurde 2015 an den Hamburger Kammerspielen erstaufgeführt.

Ein Männerstück ist das Drei-Mann-Spiel „Unsere Frauen“ nicht unbedingt. Im Gegenteil, auch die Damen im Publikum hatten ihren Spaß. Vor allem im zweiten Teil nach der Pause schien der Funke überzuspringen, wenn man den Reaktionen vor der Bühne glauben darf.

„Unsere Frauen“ ist teils vorhersehbar, bietet aber dennoch genug Überraschungen, die einen am Ende zufrieden, aber ob des Themas auch ein wenig nachdenklich nach Hause gehen lassen. Weit entfernt von buntem Klamauk ist „Unsere Frauen“ lustig, aber eben nicht seicht, wie manche Eichhof-Darbietung zuvor.

Das Premierenpublikum spendete minutenlangen, wenngleich nicht unbedingt frenetischen Applaus für das überzeugende Trio. (nm)

Quelle: HNA

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