Vier Stunden ohne Behandlung

Ebola-Verdacht in Bad Hersfeld: Patientin erhebt Vorwürfe gegen Kreiskrankenhaus

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So könnte es aussehen: Auf dem Archivfoto betritt ein Klinikmitarbeiter mit Schutzanzug bei einem Pressetermin die Sonderisolierstation im Klinikum Schwabing. Sie ist darauf vorbereitet Patienten mit Ebola aufzunehmen. Einen isolierten Raum gibt es auch im Klinikum Bad Hersfeld.

Rotenburg/Bad Hersfeld. Die Frau aus Nigeria, die am Sonntag wegen des Verdachts auf Ebola-Infektion für Aufregung gesorgt hat, erhebt Vorwürfe gegen das Kreiskrankenhaus Rotenburg. Sie sei vier Stunden lang nicht behandelt worden. Deshalb sei sie mit dem Taxi ins Klinikum Bad Hersfeld gefahren.

Die Frau aus dem Rotlichtmilieu in Bebra war - wie sie selbst gegenüber unserer Zeitung berichtet - wegen tagelanger starker Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Fieber am späten Sonntagabend ins Kreiskrankenhaus (KKH) Rotenburg gefahren. Dort habe sie vier Stunden im Wartebereich verbracht, ohne dass eine Behandlung eingeleitet worden wäre.

Niemand habe ihr Blut abgenommen, sie abgehört oder anderweitig untersucht. Man habe ihr einen Gesichtsschutz gegeben und einen Arzt gerufen, der sich aber nicht im Haus befunden habe. Das Personal habe sich Schutzanzüge angezogen. Man habe all dies mit dem Verdacht auf Ebola begründet.

Die Frau war erst kürzlich von einem Besuch bei Verwandten in Nigeria zurückgekommen. In Verbindung mit Fieber und Gelenkschmerzen habe das den Verdacht auf Ebola nahegelegt, erklärt Verwaltungsleiter Sassan Pur vom Kreiskrankenhaus.

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Das Personal habe sofort die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts umgesetzt. Trotzdem habe die Frau die Notaufnahme „auf eigenen Wunsch und gegen den dringenden Rat des behandelnden Arztes verlassen“, berichtet Pur.

Die Frau ist dann mit dem Taxi ins Klinikum Bad Hersfeld gefahren. Dort wurde sie stationär aufgenommen. „Der Ebola-Verdacht hat sich schnell entkräftet“, sagt Martin Ködding, Geschäftsführer des Klinikums. Sein Haus sei auf derartige Verdachtsfälle gut vorbereitet.

Nach einem sofortigen Bluttest und einer umgehenden Gefährdungsanalyse durch das Kompetenzzentrum für hochansteckende und lebensbedrohliche Erkrankungen in Frankfurt stand schnell fest, dass eine Infektion mit dem Ebola-Erreger auszuschließen ist.

„Leitstelle, Gesundheitsamt, Polizei, Kreiskrankenhaus Rotenburg und Klinikum Bad Hersfeld haben eng zusammengewirkt, um mögliche Gefahren abzuwenden“, teilt Kreissprecher Michael Adam mit.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann und Kai A. Struthoff

Quelle: HNA

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