Durch Hessisch-Sanssouci

Neuer Rundwanderweg im historischen Wildecker Tal eingeweiht

Wildeck. Sanft fällt die Abendsonne über die Baumkronen hinweg auf die grünen Wiesen, wo Pferde und Ponys grasen. Es lässt sich leicht nachempfinden, dass die Adeligen aus dem Rotenburger Schloss das liebliche Tal in ihr Herz schlossen - auch, wenn das über 200 Jahre her ist.

Jetzt führt, beginnend am Wanderparkplatz, ein etwa zweistündiger Rundwanderweg durch das Wildecker Tal - von einem Überbleibsel der einstigen Blütezeit zur nächsten.

Übersichtliche Tafeln erwarten die Wanderer am Weg. Martina Selzer verkleidete sich zur Eröffnung als Geheimrat.

Angeführt von einer der Adeligen persönlich, Clothilde von Hessen-Rheinfels Rotenburg, erwanderte zur Eröffnung eine etwa 50-köpfige Gruppe ein Teilstück des Weges. Kaya Kinkel, vielen bekannt als Kandidatin der Grünen im zurückliegenden Landtagswahlkampf, war dafür in ein der damaligen Mode nachempfundenes rosa-farbenes Kleid geschlüpft.

Prinzessin Clothilde war 1787 im Rotenburger Schloss geboren worden. Zu dieser Zeit war Rotenburg Mittelpunkt einer Landgrafschaft, der sogenannten Rotenburger Quart, einer Nebenlinie des Hauses Hessen-Kassel. Die Fürsten entdeckten das Tal bei Raßdorf zunächst als Ort für ihre Jagdleidenschaft und gestalteten es nach und nach zu einem Kleinod um: Es entstand eine Parkanlage mit Alleen, Steinbrücken, Grotten, einem Schloss mit Orangerie und Gästehaus.

Wehmütig berichtete Clothilde alias Kaya Kinkel bei der Einweihung des Wanderweges von wunderschönen Festen im Schloss, von dem großen Hofstaat, von einem Gewächshaus, in dem Ananas-Früchte gezogen wurden.

Prinzessin am Inselsteich: Kaya Kinkel – alias Clothilde von Hessen-Rheinfels Rotenburg – führte die Wanderer durchs Tal.

Während an das Schloss nur noch Mauerfragmente erinnern, ist das Gästehaus erhalten geblieben. Eine ungewöhnliche Erinnerung an die prachtvollen Zeiten ist ein 22 Meter hoher Obelisk, der nun auf einer Kuhweide steht. Clothildes Vater Immanuel, so schilderte Clothilde, ließ ihn als Liebesbeweis errichten.

Das lauschigste Fleckchen im Wildecker Tal ist wohl ein künstlich angelegter Weiher mit einer romantischen Insel in der Mitte, Liebesinsel genannt. Hierher kamen die Adeligen zum Lustwandeln - und dort endete die Wanderung mit Prinzessin Clothilde am Einweihungstag. (zmy)

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Quelle: HNA

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