Drogenkurier aus Bebra kommt mit Bewährungsstrafe davon

Bad Hersfeld. Seine Geschichte klang abenteuerlich, die Indizien sprachen gegen ihn: Dennoch war einem 35-Jährigen aus Bebra der angeklagte Handel mit Betäubungsmitteln nicht „gerichtsfest" nachzuweisen.

Straflos kam der einschlägig vorbelastete Gas- und Wasserinstallateur jedoch nicht davon: Weil er eine „nicht geringe Menge“ von Amphetaminen und Haschisch in seinem Besitz hatte, verurteilte ihn das Schöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld gestern zu einem Jahr und neun Monaten Freiheitsstrafe, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Hinzu kommt eine Geldauflage von 900 Euro.

Weitere 500 Euro muss der Bebraner bezahlen, weil er unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln am Steuer seines Quads gesessen hatte. Hier verhängte das Gericht außerdem ein Fahrverbot von einem Monat.

Der Vater von zwei Kindern war in der Nacht zum 1. Mai dieses Jahres mit besagtem Quad bei Hönebach einer Polizeistreife aufgefallen, die sich zu einer zunächst „verdachtsunabhängigen Kontrolle“ veranlasst sah.

Rote Augen

Seine roten Augen und die nicht reagierenden Pupillen sorgten allerdings schnell für Verdachtsmomente, die sich bei der Durchsuchung von Fahrer und Fahrzeug schnell erhärteten. Mehr als 150 Gramm Amphetaminpulver hatte der 35-Jährige am Körper verborgen, stand außerdem unter Drogen.

In seiner Wohnung fand die Polizei noch in der Nacht größere Mengen Haschisch, eine Feinwaage, eine Wasserpfeife, weitere Amphetamine und Portionstütchen aus Plastik, was auf Rauschgifthandel schließen ließ.

Das bestritt der Angeklagte jedoch. Er sei an besagtem Abend auf dem Weg zu einem Treffen gewesen, von wo aus es mit dem Bus zu einer Techno-Party nach Kassel gehen sollte. Eine Art Junggesellenabschied, wie er behauptete.

Mit zuvor eingesammeltem Geld habe er unterwegs in einer Bebraer Spielothek das Amphetaminpulver besorgt. Das habe er zunächst noch in die Tütchen aufteilen wollen, habe dabei auch vom Stoff probiert, sei dann aber so spät dran gewesen, dass auch die zunächst vorgesehene Abholung durch die Kumpels nicht mehr klappte. Also habe er sich entgegen seiner ursprünglichen Absicht aufs Quad gesetzt - mit bekanntem Ergebnis.

„Ihre Geschichte hakt an vielen Ecken“, sagte Richter Michael Krusche, Vorsitzender des Schöffengerichts, bei der Urteilsbegründung, doch es blieb strafrechtlich beim „Besitz“.

Das war auch das erklärte Ziel von Rechtsanwalt Jochen Kreissl gewesen, der den Bebraner verteidigte. Die Höhe der Strafe entsprach allerdings in vollem Umfang dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Von Karl Schönholtz

Quelle: HNA

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