DRK-Kreisverband Rotenburg steckt in der Krise

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Rotenburg. Schulden in Millionenhöhe hat der DRK-Kreisverband Rotenburg bei den Kostenträgern, den Krankenkassen. Als Arbeitgeber hat der Kreisverband dazu noch Probleme mit dem Betriebsrat. Es geht um Arbeitszeitmodelle und finanzielle Zulagen. Verhandelt wird mit einer Einigungsstelle.

Der DRK-Kreisverband Rotenburg steckt in einer tiefen Krise. Der Verein hat Schulden bei den Kostenträgern, den Krankenkassen, von 2,7 Millionen Euro. Inzwischen hat man sich auf eine Rückzahlung innerhalb der nächsten sieben Jahre geeinigt, erklärte Kreisverbandsvorsitzende Dr. Heike Ronsdorf-Holstein.

Außerdem gibt es Probleme im personellen Bereich. Betriebsrat und Kreisverband verhandeln derzeit vor einer Einigungsstelle. Dabei geht es um finanzielle Zulagen und Arbeitszeitmodelle im Rettungsdienst.

Kreisverbandsvorsitzende Dr. Heike Ronsdorf-Holstein und Geschäftsführer Steven Renner versicherten gegenüber der HNA, der Kreisverband sei nach wie vor liquide. Sie hatten am Mittwochabend Delegierte der Ortsverbände in einer außerordentlichen Versammlung über die Lage informiert.

Ronsdorf-Holstein spricht von Managementfehlern in der Vergangenheit, die zur Verschuldung geführt hätten. Es wurden mehr Rettungseinsätze gefahren und abgerechnet als mit den Kassen zuvor vereinbart worden waren. Die Anzahl der Einsätze wird jedes Jahr mit Blick auf die tatsächlichen Einsätze des Vorjahres vereinbart. Was darüber hinausgeht, wird zwar zunächst von den Kassen bezahlt, muss dann aber vom Kreisverband zum größten Teil zurückgezahlt werden. Statt eine Rücklage dafür zu bilden, wurde das Geld jedoch vom Kreisverband ausgegeben, bestätigte Ronsdorf-Holstein. Sie räumt aber auch ein, dass der Vorstand in seiner Aufsichtsfunktion nachlegen muss. Das jährliche Budget beim Rettungsdienst liegt bei 3,2 Millionen Euro.

Der Vorstand des als Verein geführten Kreisverbandes steckt jetzt im Dilemma: Seine ehrenamtlichen Mitglieder können sogar persönlich haftbar gemacht werden. Für 2011 und 2012 ist er noch nicht entlastet worden.

Ein weiteres Problem seien Außenstände: Der Rotenburger Verband sei auch von der Insolvenz des Hersfelder DRK-Rettungsdienstes betroffen, weil die Rettungsdienste auch untereinander Fahrten abrechneten. Durch die Insolvenz seien Zahlungen aus Hersfeld ausgeblieben, sagte Ronsdorf-Holstein.

Aktualisiert um 16.25 Uhr.

Seit 2012 versuche man eine Umstrukturierung beim Kreisverband – allerdings „mit wenig Erfolg“, wie Steven Renner sagte. Er verweist auch auf Schwierigkeiten mit dem Betriebsrat. Der sei nicht bereit gewesen, auf Forderungen einzugehen. Der Rotenburger Rettungsdienst müsse einen Krankenstand der 57 Mitarbeiter verkraften, der doppelt so hoch sei wie der der übrigen DRK-Verbände in Hessen. Der Kreisverband will deshalb die Arbeitszeiten vom Drei-Schichten- auf ein zwei-Schichten-Modell umorganisieren. Die Mitarbeiter müssten also auf zweimal zwölf Standen statt dreimal acht Stunden verteilt werden. Die wöchentliche Arbeitszeit liegt bei 48 Stunden.

Die Mitarbeiter wollen gut arbeiten und sich für die Patienten einsetzen. Das ist auch eine Frage der Berufsehre“, sagt Knut Mähler, der Betriebsratsvorsitzende des DRK-Kreisverbandes Rotenburg. Deshalb arbeitete der Rettungsdienst auch bis an die Grenzen der Belastbarkeit und darüber hinaus.

Vorwürfen seitens ihres Arbeitgebers, der Betriebsrat bewege sich nicht, begegnet das Gremium damit, dass es die Mitarbeiter schützen müsse. Eine Umstellung von einem Drei- auf ein Zwei-Schicht-System werde kaum Einsparmöglichkeiten bringen, höchstens ein wenig Zeit bei den Übergaben von Schicht zu Schicht. An den Wochenenden arbeite man bereits in zwei Schichten.

Die Erfahrung zeige, dass die angepeilte Vier-Tage-Woche kaum erreicht würde. Schon jetzt würden immer wieder Mitarbeiter von ihrem freien Tag zurück an die Arbeit beordert. Manche trauten sich keinen Widerspruch. „Das bleibt nicht ohne Folgen für die Gesundheit“, sagt auch Jörg Kaiser vom Betriebsrat. Und: „Wir machen unsere Arbeit gern, aber wir sind keine Sklaven.“ In Forderungen und Verhalten des Arbeitgebers sieht der Betriebsrat fehlende Wertschätzung der Mitarbeiter. (sis)

Quelle: HNA

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