Ähnliche Probleme wie in Mainz

Drei Fahrdienstleiter fehlen im Stellwerk Bebra

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Bebra. Zwischen November und Juni gab es auch in Bebra ähnliche Probleme wie in Mainz. Zwei Fahrdienstleiter leisteten Schichten, die zu dritt hätten besetzt sein müssen.

Dadurch mussten Züge beispielsweise in Cornberg und Bad Hersfeld warten, wenn die Fahrdienstleiter, wie zwingend vorgeschieben, 15-minütige Arbeitsschutzpausen, einlegten. Dann rollte kein Zug mehr, auch ICE waren betroffen.

Als schäbig bezeichnete es ein Fahrdienstleiter, dessen Name uns bekannt ist, dass vonseiten der Bahn seiner Berufsgruppe die Schuld für den eklatanten Personalmangel in die Schuhe geschoben werde. Es handele sich um ein bundesweites Problem, erklärte Thomas Mühlhausen von der Gewerkschaft der Lokomotivführer GDL Bebra. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann Mainz überall sei.

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In Bebra beispielsweise haben zwei Fahrdienstleiter jeweils über 500 Überstunden, auch Urlaub vom vergangenen Jahr steht noch. Um Engpässe etwa in Bad Hersfeld oder Eschwege auszugleichen, werden altgediente kundige Kräfte auch dort eingesetzt, um den Fahrbetrieb aufrecht zu erhalten. Auch dies ist immer wieder ein Grund für eine Zweierbesetzung in Bebra, die eine Pause verlangt. Arbeiten wie vorgesehen drei Fahrdienstleiter pro Schicht, läuft der Betrieb ohne Unterbrechung.

Seit Juli ist der ärgste Engpass in Bebra mit zwei neuen Kräften behoben. Aber auch diese können wegen noch fehlender Kenntnisse nur eingeschränkt eingesetzt werden.

Mühlhausen und der Fahrdienstleiter berichten, seit zehn Jahren sei kein Nachwuchs ausgebildet worden, die meisten Mitarbeiter in den Stellwerken seien um die 60 Jahre alt. „Da wird einem himmelangst“, sagt der Fahrdienstleiter. Inzwischen fehle es in Erfurt beispielsweise auch an Ausbildern. Mit der Begründung neuer Technik habe man über Jahre hinweg Stellen abgebaut.

Drei Fahrdienstleiter-Stellen von 16 sind zurzeit im Bebraer Stellwerk nicht besetzt, zwei wegen längerer Krankheit. Dabei muss man berücksichtigen, dass in drei Schichten rund um die Uhr gearbeitet wird und drei Bereiche abgedeckt werden müssen, für die normalerweise jeweils ein Mitarbeiter zuständig ist.

Neben der Ausbildung zum Fahrdienstleiter benötigen die Mitarbeiter acht Wochen Einweisung vor Ort, um in einem Stellwerk der Größenordnung von Bebra tätig werden zu können. In kleineren Stellwerken wie in Eichenberg, Melsungen oder Grifte wurden beispielsweise auch Lokführer eingesetzt. Das ist in Bebra nicht möglich.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

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Quelle: HNA

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