Transplantations-Skandale verunsichern Patienten auch am Klinikum

Dramatischer Tiefstand bei den Organspenden

Hersfeld-Rotenburg. Nach den jüngsten Organspende-Skandalen sind Patienten und potenzielle Spender verunsichert. Die Zahl der Organspenden ist derzeit auf dem niedrigsten Stand seit 2002. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) spricht von einem „dramatischen Tiefstand“. Entgegen des deutschlandweiten Trends ist in Hessen die Zahl der Organspender aber stabil geblieben. Im vergangenen Jahr wurden 83 Spendern Organe entnommen, im Jahr zuvor waren es 81.

Auch am Klinikum Bad Hersfeld registriert der Ärztliche Direktor, Prof. Dr. Markus Horn, eine „zunehmende Unsicherheit bei den Patienten.“ Die Sorgen der potenziellen Spender seien komplex. Vor allem registriert er „emotionale Vorbehalte gegen das Hirn-Tod-Konzept“. Erst wenn ein Ärzteteam den Hirn-Tod eines Patienten festgestellt hat, dürfen mit Einwilligung der Angehörigen, oder wenn der Verstorbene zu Lebzeiten eine Einwilligung gegeben hat, Organe entnommen werden.

Im Klinikum sind Prof. Horn sowie seine Kollegen Dr. Martin Grapengeter und Dr. Reinhard C. Funck die Transplantationsbeauftragten. Sie stellen die Hirn-Tod-Diagnose und überwachen die Einhaltung der strengen medizinischen und ethischen Regeln. Allerdings wurde der DSO in den Jahren 2011 und 2012 nur jeweils ein potenzieller Organspender gemeldet, erklärt Prof. Horn. „Eine Organspende ist aber wegen medizinischer Kontraindikationen oder fehlender Zustimmung der Angehörigen in keinem Fall realisiert worden.“

Prof. Horn weiß, dass das Thema Organspende zu Lebzeiten stark tabuisiert wird. Dennoch rät er jedem dazu, die Entscheidung selbst zu treffen, auch weil dies eine Entlastung für die Angehörigen ist. Gleichzeitig fordert er, dass die Missstände bei Transplantationen „glaubhaft ausgeräumt werden“ und größtmögliche Transparenz über die Entnahme-Richtlinien geschaffen werde. Zum Tage, Hintergrund

Von Kai A. Struthoff

Quelle: HNA

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