Montagsinterview mit dem Rotenburger Sänger und Liedermacher Klaus Adamaschek alias „Shiregreen“

„Die Musik ist mein Heiler“

Mit der Gitarre in der Natur: Shiregreen alias Klaus Adamaschek. Foto: Struthoff

Rotenburg. Mit seiner warmen, dunklen Stimme und den poetischen Songtexten erinnert der Rotenburger Liedermacher Klaus Adamaschek alias „Shiregreen“ viele an den amerikanischen Singer und Songwriter Kris Kristofferson. Jetzt hat „Shiregreen“ eine neue CD veröffentlicht – seit langer Zeit erstmals wieder mit deutschen Liedern

Herr Adamaschek, warum verlassen Sie die bewährten „Trails“ und beschreiten mit deutschen Liedern „Neue Pfade“?

Klaus Adamaschek: Eigentlich kehre ich damit zu meinen Anfängen zurück. Ende der 60er-Jahre habe ich ausschließlich deutsch geschrieben. Meine Vorbilder waren Reinhard Mey oder Hannes Wader. Irgendwann habe ich dann Kris Kristofferson gehört und sein „Silver Tongued Devil“ hat alle anderen vom Plattenteller verdrängt. Mir erschien die deutsche Sprache plötzlich zu kopflastig und wehleidig.

Und warum dann jetzt doch wieder auf Deutsch?

Adamaschek: Ich habe inzwischen meine eigene musikalische Sprache gefunden, die fließt. Ich kann jetzt, mit Ende 50, besser ausdrücken, was mir wichtig ist. Und das auch mit einer gewissen Leichtigkeit. Aber das ist erst einmal nur ein Experiment, vielleicht wird das nächste Album wieder ganz anders.

In den 60er und 70er-Jahren hörte man als Jugendlicher eher Hard-Rock. Folk und Country waren uncool. Warum haben Sie sich ausgerechnet diese Stilrichtung ausgesucht?

Adamaschek: Ich war immer eher einer der Stillen, habe gern Leonard Cohen oder Cat Stevens gehört. Die sehr ehrliche und erdige Country- und Folk-Musik, die oft auch eine Einheit zwischen der Musik und der Lebensgeschichte bildet, hat mich sehr beeindruckt. Mit meinem Musikgeschmack war ich damals aber natürlich nicht der Mittelpunkt der Jugendclique.

Country-Songs handelten früher meist von Lonesome-Cowboys und gebrochenen Herzen. Inzwischen hat sich diese Musikrichtung ziemlich geändert. Merken Sie das auch?

Adamaschek: Ich denke schon. Die kommerzielle Country-Musik transportiert vor allem Klischees, da unterscheidet sie sich nicht sehr vom deutschen Schlager. Die junge und alternative Country-Musik hat sich anderen Stilen, wie etwa Blues und Rock, geöffnet. Und da fühle ich mich schon eher zu Hause. Ich fühle Einflüsse von Kristofferson, Neil Young oder auch Reinhard Mey, aber am Ende kommt doch immer Shiregreen dabei heraus.

Wie fallen Ihnen die Geschichten zu Ihren Songs ein?

Adamaschek: Sie fallen nicht ein, sondern sie drängen raus. Ich setze mich nicht einfach hin, um Songs zu schreiben, nur weil ich gerade Zeit habe. Manchmal ist einige Monate Funkstille. Man schreibt meist nur dann gute Lieder, wenn es einem richtig gut oder richtig schlecht geht. Wenn es einem mittelmäßig geht, gibt es auch nur mittelmäßige Lieder.

Wenn man manchen Ihrer Lieder zuhört, gewinnt man den Eindruck, Sie würden hier am liebsten alles hinschmeißen. Ist das Fernweh so groß?

Adamaschek: Ja, manchmal schon. Ich war mit meiner Frau acht Monate auf einer Rundreise mit dem Wohnmobil durch die USA. Die Canyons, Nationalparks und Städte haben mich tief bewegt. Es war für mich schwer genug, mich hier loszueisen und mich entbehrlich zu machen. Aber das Zurückkommen war noch schwerer. Die Welt kommt einem hier plötzlich kleiner vor. Ein Teil meiner Seele ist immer noch unterwegs.

Als Musiker lässt man seine Zuhörer tief in seine Seele blicken. Was sagen Ihre Berufsschüler in Heimboldshausen zu Ihren Liedern? Halten die Sie womöglich für einen sentimentalen, alten Knacker?

Adamaschek: Nein, eigentlich gar nicht. Ich bilde vor allem Erzieherinnen aus. Werdende Sozialpädagogen müssen offen und bereit sein, ein Stück von sich zu geben. Auch junge Menschen wissen es zu würdigen, wenn man sich nicht verschließt. Und den einen oder anderen Exoten kann unsere Schule gut brauchen.

Fühlen Sie sich mehr als Lehrer oder als Musiker?

Adamaschek: Lehrer UND Liedermacher. Ich bin beides mit ganzer Person. Der Lehrer bringt die musische Seele in die Schule ein, und auf der Bühne lass ich manchmal, allerdings eher scherzhaft, auch den Lehrer raushängen.

Und was sagen Ihre Kollegen? Gibt es dort Neider?

Adamaschek: Ja, das ist nicht unproblematisch. Natürlich nutzen auch andere Menschen ihre freie Zeit; sie spielen Tennis, singen im Verein oder sehen stundenlang fern. Aber ich stehe in der Öffentlichkeit. Wegen meiner gesundheitlichen Probleme arbeite ich zurzeit nur in Teilzeit und trete in der Regel auch nur einmal im Monat auf. Aber dann ist die Musik für mich ein Energiespender. Da stimme ich den traditionellen Kulturen zu: Musik ist ein Heiler.

Von Kai A. Struthoff

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