Adipositas (Fettsucht) ist eine Krankheit – Operationen sind eine mögliche Therapie

Dicker Bauch ist Zeitbombe

Dr. Peter Holke Foto:  ank

Hersfeld-Rotenburg. Schwer übergewichtige Menschen tragen nicht einfach nur ein paar Pfunde zu viel mit sich. Ihre Lebensdauer ist durch typische Begleiterkrankungen verkürzt, die Lebensqualität eingeschränkt. „Sie sind schwer krank“, sagt Dr. Peter Holke, Chirurg im Medizinischen Versorgungszentrum des Kreiskrankenhauses (KKH) Rotenburg. Wenn nichts mehr hilft, gibt es die Möglichkeit einer Operation. Solche werden seit Ende 2012 am KKH vorgenommen.

?Was ist so gefährlich am Körperfett?

!Weniger das Fett auf den Hüften ist gefährlich als das Bauchfett, vor allem bei Männern. Es ist wie eine Drüse, die zu Hormonveränderungen führt. Ein Riesenbauch ist eine Zeitbombe.

?Welches sind die Probleme beim Übergewicht?

! Es geht um die Folgeerkrankungen, nicht um ein einfaches kosmetisches Problem. Die Lebenserwartung bei krankhafter Adipositas sinkt um fünf bis 20 Jahre. Belastet werden Herz und Kreislauf, Nieren, Lunge, der Stoffwechsel mit der Folge von Diabetes, Gicht, Arteriosklerose, Krebserkrankungen und Atemaussetzern im Schlaf (Schlafapnoe). Hinzu kommen oft Depressionen oder auch Isolierung. Die Probleme und das Vorhandensein einer schweren Erkrankung werden aber von den meisten Patienten verdrängt.

?Wie ist der Ablauf, wenn Patienten überlegen, ob eine OP ihnen helfen könnte?

!Erste Anlaufstellen sind die Adipositas-Selbsthilfegruppe und unsere Adipositas-Ambulanz. Wer zu uns kommt, durchläuft ein strukturiertes Verfahren, an dem neben dem Chirurgen der Internist, Psychologe, Physiotherapie und Ernährungsberatung beteiligt sind. Das Konzept ist vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen anerkannt. Zunächst werden alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft. Nur unter bestimmten Voraussetzungen, und wenn am Ende der Wunsch des Patienten vorliegt, kann die Operation eine Möglichkeit sein, mit der man das Problem angeht. Die OP ist die Ultima Ratio, die letzte Möglichkeit, wenn nichts mehr hilft.

?Für wen kommt eine solche Operation infrage?

! Voraussetzungen sind unter anderem, dass die Adipositas seit mindestens fünf Jahren besteht, der Body Mass Index (BMI) über 40 liegt oder über 35, verbunden mit schwerwiegenden Nebenwirkungen. Gegen eine Operation sprächen akute psychiatrische oder schwerste Herz-Kreislauf-erkrankungen sowie fehlende Bereitschaft zur Kooperation. Eine konservative Therapie über mindestens sechs Monate mit Ernährungsumstellung, psychologischer Betreuung und sportlicher Aktivität muss versagt haben, und es muss der Wunsch des Patienten zu einer OP vorliegen.

?Was geschieht bei der Operation?

!Es gibt verschiedene Methoden. Am bekanntesten ist das Magenband, das aber immer weniger eingesetzt wird. In über 40 Prozent der Fälle arbeiten wir mit einem Magen-Bypass (Roux-en-Y). Hier wird eine Passage an der Bauchspeicheldrüse vorbei geschaffen, vom Dünndarm bleibt nur etwa die Hälfte zur Verdauung der Nahrung. Einfacher mit etwa gleich guten Ergebnissen ist die Schlauchmagen-OP, die in fast der Hälfte der Fälle zum Einsatz kommt. Bei dieser OP wird ein etwa ein Liter fassender Magenanteil entfernt. Sie dauert ein bis eineinhalb Stunden. Operiert wird auf dem höchstem Standard der Medizintechnik mithilfe der Schlüsselloch-Chirurgie über fünf kleine Zugänge und mit dem Einsatz von Ultraschallmessern sowie Präzisionsnahtgeräten.

?Werden die OPs von den Kassen bezahlt?

!Unter strengen Voraussetzungen mit Gutachten und Antrag auf Kostenübernahme ja, aber nicht in jedem Fall. HINTERGRUND 50 PROZENT WENIGER....

Gudrun Schankweiler-Ziermann

Quelle: HNA

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