Tatjana Kröger berichtet von einem geeinten Land

Abschied von Mandela: Obersuhlerin berichtet aus Südafrika

Obersuhl / Kapstadt. Mit einer großen Gedenkfeier wird am Dienstag Nelson Mandels gedacht. Die Obersuhler Reisereporterin Tatjana Kröger ist nach einer Reise vom Nordkap nach Südafrika gerade in Kapstadt und berichtet von einem Land, das mit Dankbarkeit und Bewunderung von seinem Nationalhelden Abschied nimmt.

Überall ist sie seit Freitagmorgen präsent, die sechsfarbige Flagge Südafrikas. Vor allen öffentlichen Gebäuden weht sie auf Halbmast, Straßenverkäufer bieten Fähnchen büschelweise an.

„Nothing can do this man justice“, nichts kann diesem Mann gerecht werden, leitet ein Fernsehsprecher eine der ständigen Sondersendungen ein: Nelson Mandela, Anti-Apartheids-Kämpfer und Ikone eines ganzen Kontinents, ist im Alter von 95 Jahren gestorben.

Überraschend kam es nicht. Mandela trat bei der Abschlussfeier der Fussballweltmeisterschaft in Südafrika 2010 das letzte Mal öffentlich auf. Danach erkrankte er mehrmals schwer, war seit Mitte dieses Jahres bettlägerig. Als Nation gewachsen Und seitdem fürchtete man auch Straßenschlachten, Gewalt, Feindseligkeiten der schwarzen gegenüber der weißen Bevölkerung bei seinem Tod.

Die Medien hätten diese Horrorszenarien gemalt, sagt ein trauernder Passant in Kapstadt, der lediglich mit einem Blumenstrauß bewaffnet ist, auch die ausländischen, vor allem die britischen. „Das Gleiche haben sie auch schon zur Fussball-WM prophezeit und 1994, als Mandela Präsident wurde. Aber wir haben uns in den letzten 20 Jahren doch weiterentwickelt, sind als Nation zusammengewachsen.“ Keines der Horrorszenarien ist eingetreten.

Das öffentliche Leben in Südafrika ist auch nicht zum Erliegen gekommen, das Land verharrt nicht in Schockstarre. Vor dem Rathaus von Kapstadt wurde die Straße vorübergehend in eine Fußgängerzone verwandelt, hinter einer Absperrung ist ein Rednerpult aufgebaut, Technikerteams sind angerückt. über mehrere Grossbildschirme flimmern pausenlos Dokumentationen, die Stationen aus dem Leben Mandelas zeigen. Sänger des Nationaltheaters interpretieren den berühmten Sklavenchor aus Verdis Oper „Nabucco“. Menschen tanzen auf dem Marktplatz und besingen in Xhosa, Mandelas Muttersprache, den ersten schwarzen Präsidenten des ehemaligen Apartheids-Staates, in dem die schwarze Bevölkerungsmehrheit bis in kleinste Alltagsdetails diskriminiert wurde und vom politischen Leben völlig ausgeschlossen war.

„Du wirst uns fehlen“ Nicht enden wollende Menschenschlangen defilieren vor dem Rathaus vorbei, legen Blumen nieder, stellen Fotos des Verstorbenen auf, binden Luftballons und handgemalte Grußkarten an die Absperrung. „Du bist mein Held“‘ ist da zu lesen, und „Du hast für das gekämpft, woran du geglaubt hast“ und immer wieder: „Du wirst uns fehlen.“ Oft benennt man Mandela mit seinem afrikanischen Clannamen Madiba oder einfach nur mit „Tata“, dem Xhosa-Wort für Vater. Es ist feierlich, aber gar nicht so sehr traurig. Man gedenkt Mandelas mit Achtung, Dankbarkeit, liebevoller Bewunderung. (red/pgo)

Quelle: HNA

Kommentare