Das Ende rückt näher

Chronik der Alheimer-Kaserne: Die Geschichte eines Bundeswehrstandorts

Das war der Anfang: Am 30. März 2006 wurde die Truppenfahne des Führungsunterstützungsbataillons 286 zum ersten Mal enthüllt. Der Verband wurde damit offiziell in Dienst gestellt. Gestern Abend geschah im Rotenburger Schlosshof das Gegenteil: Die Truppenfahne wurde verhüllt und das Bataillon damit offiziell aufgelöst. Wir berichten morgen ausführlich. Archivfoto: Schaake

Rotenburg. Am Mittwochabend wurde das Führungsunterstützungsbataillon 286 bei einem Appell im Rotenburger Schlosshof aufgelöst. Damit geht zugleich die Auflösung der Alheimer-Kaserne in ihre Endphase. Wir nennen die zentralen Stationen in der Geschichte des Bundeswehr-Standorts.

1956  

Bürgermeister Kurt Dorr lotete in der Bundeshauptstadt Bonn die Möglichkeiten aus, ob Rotenburg wieder Garnisonsstadt werden könnte. Schon im 19. Jahrhundert waren Soldaten in der Fuldastadt stationiert. Nachdem die Stadtverordneten am 31. Januar 1958 für den Aufbau einer Garnison stimmten, wurde am Silberberg mit dem Bau begonnen.

1962

Die neu erbaute Kaserne wurde am 23. Januar feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Mehr als 3000 Einwohner hießen die Soldaten des Panzergrenadierbataillons 51 in Rotenburg willkommen. Ihren Namen erhielt die Alheimer-Kaserne aber erst vier Jahre später. Er erinnert an das Ehrenmal auf dem Alheimer, an dem alljährlich der Gefallenen beider Weltkriege gedacht wird.

1976

Das Jägerbataillon 56 zieht ebenfalls in die Kaserne ein. Damit sind am Standort etwa 1200 Soldaten stationiert. So viele werden es nie wieder sein. Dazu gehörten auch kleinere Verbände wie die 18. Kompanie des Luftwaffen-Fernmelderegiments 32, das den Luftraum über Osthessen überwachte.

1980

Rotenburg musste zum ersten Mal von einem großen Verband Abschied nehmen: Das Jägerbataillon wurde aufgelöst, zugleich erhielt das Panzergrenadierbataillon die neue Nummer 52.

1998

Erstmals nahmen Panzergrenadiere aus Rotenburg an einem Auslandseinsatz teil. Die 17 Soldaten wurden in Bosnien eingesetzt

2001

Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) kündigt an, die Alheimer-Kaserne im Zuge der Bundeswehrreform zu schließen. Es gab massive Proteste gegen das Vorhaben. Schließlich wurde das Verteidigungsministerium umgestimmt, und die Kaserne blieb erhalten. Schon damals lief die Sanierung des Standorts, dessen Gebäude nach 40 Jahren marode waren.

2006

Das Panzergrenadierbataillon 52 wurde Ende März endgültig aufgelöst. Zugleich zog ein neuer Verband in die Alheimer-Kaserne ein: das Führungsunterstützungsbataillon 286. Die Fernmelder waren in den Folgejahren regelmäßig im Auslandseinsatz, vor allem in Afghanistan und im Kosovo. Verluste gab es erfreulicherweise nicht. Als weiterer Verband zogen mehrere Kompanien des Feldjägerbataillons 251 in Rotenburg ein. Im Zuge der Kasernensanierung verfügt das Feldjägerdienstkommando über die modernsten Einrichtungen ihrer Art in der Bundeswehr.

2011

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) legt im Oktober seine Bundeswehrreform vor: Obwohl die Alheimer-Kaserne gerade teuer saniert wird (das Ministerium spricht von 27,5 Millionen Euro, andere Quellen sprechen sogar von 40 Millionen), wird die Kaserne aufgegeben. Auch Proteste ändern an der Entscheidung nichts.

2014

Jeden Monat werden mehr Soldaten des Führungsunterstützungsbataillons auf andere Einheiten verlegt. Am gestrigen Tag der offiziellen Auflösung betrug die Tagesantrittsstärke des Bataillons noch knapp 100 Soldaten. Bis 31. Mai 2015 verlassen dann die letzten Führungsunterstützer die Alheimer-Kaserne. Auch die Feldjäger sollen bis dahin abziehen, um die Kaserne für eine bislang unklare zivile Nutzung zu übergeben.

Von Marcus Janz

Video: Auflösungsappell Führungsunterstützungsbataillon 286

Quelle: HNA

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