Interview mit Hauptgeschäftsführer Hans Wilhelm Saal und Kreishandwerksmeister Klaus Stöcker

Charme-Offensive im Handwerk

Mit Leidenschaft für das Handwerk: Der neu gewählte Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Hans Wilhelm Saal (links) zeigt Kreishandwerksmeister Klaus Stöcker seinen Gesellenbrief. Foto: Struthoff

Hersfeld-Rotenburg. Der bisherige Geschäftsführer der Vitalisklinik, Hans Wilhelm Saal, wird neuer Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Mit ihm und Kreishandwerksmeister Klaus Stöcker sprach Kai A. Struthoff

Herr Stöcker, hatten Sie bei der Suche nach einem Nachfolger für Dirk Bohn die Qual der Wahl oder war Herr Saal gleich Ihr Favorit?

Klaus Stöcker: Dank der Anzeige in Ihrer Zeitung hatten wir mehrere Bewerber und daher auch die Qual der Wahl. Wir mussten uns letztlich zwischen zwei Bewerbern entscheiden.

Was muss ein Hauptgeschäftsführer mitbringen?

Stöcker: Er muss eine persönliche Ausstrahlung haben und deutlich machen, dass er sich bei uns beweisen will. Das war bei Herrn Saal besonders ausgeprägt. Auf den sonst üblichen Stallgeruch haben wir bewusst verzichtet, um frischen Wind von außen in die Organisation zu bringen. Die Vorprägung durch handwerkliche Organisationen war uns nicht so wichtig, aber Herr Saal hat ja auch einen Gesellenbrief des Handwerks.

Herr Saal, Sie waren zweimal Bürgermeisterkandidat, Wirtschaftsförderer in Thüringen, Klinik-Geschäftsführer – jetzt die Handwerker. Trauen Sie sich eigentlich alles zu?

Hans Wilhelm Saal: (schmunzelt) Es gibt wenig Dinge, die ich mir nicht zutraue. Das liegt auch an meiner sehr breiten Ausbildung, zu der viel Betriebswirtschaft gehörte. Das eröffnet viele Möglichkeiten. Ich traue mir daher schon zu, für die Kreishandwerkerschaft tragfähige Konzepte zu entwickeln und diese auch schnell umzusetzen. Auch in der Vitalisklinik arbeiten ja Handwerker – nur eben im medizinischen Bereich. Viele Prozesse sind gar nicht so verschieden. Und wenn einem die Arbeit Spaß macht, dann kann man auch wie ich mit 58 Jahren nochmal etwas Neues wagen.

Herr Stöcker, welche konkreten Ziele soll der neue Hauptgeschäftsführer erreichen?

Stöcker: Wir hoffen auf neue Ansätze in der Mitgliedergewinnung, weil durch Betriebsaufgaben die Mitgliederzahlen bei uns leider zurückgehen. Das müssen wir ändern. Unser Internetauftritt muss vorangetrieben werden. Zudem brauchen wir auch neue Konzepte für unsere Projekte, zum Beispiel die Partnerschaft mit Moldawien, bei der es um die Qualifizierung von Arbeitskräften für den dortigen Markt geht. Auch das Flüchtlingsthema wird uns sicher noch länger beschäftigen.

Was sind Ihre Ziele, Herr Saal?

Saal: Die demografische Entwicklung schlägt auch im betrieblichen Bereich ihre Schneisen. Nachfolgeregelungen sind ein wichtiges Thema. Wir müssen eine Charme-Offensive starten, um zu zeigen, welche Möglichkeiten die Kreishandwerkerschaft den Betrieben bietet. Wir müssen deutlicher machen, welche Vorteile eine Mitgliedschaft bei uns hat.

Gleichzeitig wollen Sie ehrenamtlich vorerst Geschäftsführer der Vitalisklinik bleiben. Hat man dort so wenig zu tun, oder wie wollen Sie das schaffen?

Saal: Ehrenamtlich heißt, dass ich dafür nicht bezahlt werde. Denn ich habe ja einen Vertrag mit der Kreishandwerkerschaft. Ich fühle mich aber auch meinen ehemaligen Kollegen dort verpflichtet. Das Team in der Vitalisklinik ist inzwischen gut aufgestellt, es läuft dort, sodass ich in erster Linie eine gewisse Überwachungsfunktion wahrnehme. Ich werde mich aber strukturell nicht mehr einmischen, sodass auch die zeitliche Belastung für die Kreishandwerkerschaft nicht spürbar sein wird.

Und Ihr Nachfolger an der Vitalisklinik?

Saal: Der ist nicht so einfach aus dem Ärmel zu schütteln. Der Aufsichtsrat, der Bürgermeister und ich werden aber sicher schnell einen kompetenten Nachfolger finden. So lange stehe ich zur Verfügung.

Das vergangene Jahr war turbulent: Stichwort Flüchtlinge, Stichwort K+S, was sicher auch das Handwerk tangiert. Gehen Sie beide trotzdem optimistisch ins kommenden Jahr?

Stöcker: Handwerker sind immer optimistisch. Die Auftragslage ist im Großen und Ganzen in Ordnung. Ich sehe keine konkreten Probleme, sondern nur die üblichen Schwierigkeiten. Natürlich macht mir die Flüchtlingskrise Sorgen. Es wird zu planlos agiert, was es auch unseren Betrieben schwer macht, sich auf Etwas einzustellen. Da versagt die Politik vor allem auf den oberen Ebenen, und die Kleinen müssen es ausbaden. Genau wie bei Themen wie der Vorfälligkeit der Sozialabgaben oder der Abschaffung des Meisterbriefs. Sie wurden uns eingebrockt und wir müssen es jetzt ausbaden.

Saal: Ich glaube, dass die Flüchtlingskrise dem Handwerk auch Chancen bietet. Das muss allerdings gut organisiert werden, was sicher die wesentliche Aufgabe im kommenden Jahr sein wird: Sie müssen essen, trinken, wohnen. Allein der Wohnungsbau birgt viele potenzielle Aufträge für das Handwerk. Trotz möglicher sozialer Probleme bin auch ich optimistisch.

Quelle: HNA

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