Bebra: Diskussion um Unterstützung der Vereine

Chaotische Vereinskonferenz: Stadt will Geld gerechter verteilen

Vom Wert der Vereine: Dirk Wahl (stehend) rechnete vor, dass, dass Trainer, Betreuer und Eltern der FSG Bebra etwa 3000 Stunden ehrenamtliche Arbeit leisten, was zum Mindestlohn über 25 000 Euro entspräche. Foto:  ank

Bebra. Verwirrung hinterließ die Vereinskonferenz der Stadt Bebra am Montagabend in Bebra.

Hatte Bürgermeister Uwe Hassl die Vertreter aller Vereine - vom Sport-, über den Gesangverein bis hin zu VdK und Vogelzüchtern anfangs noch mit den Worten begrüßt, die Stadt müsse sparen, geriet dieses Ziel im Verlauf aus dem Blickfeld. Eigentlich gehe es nur um eine gerechtere Verteilung der städtischen Unterstützung an die Vereine, die sei immer wieder ein Problem gewesen, sagte das langjährige Magistratsmitglied Harald Kreutzer. Und auch Hassl sagte nun, es solle nicht unbedingt weniger ausgegeben, das Geld aber anders verteilt werden. Die Kulturvereine etwa seien mit sechs Prozent unterrepräsentiert. Von dieser Seite wurde aber gar keine Kritik geäußert.

Gerhard Schneider-Rose (SPD-Fraktionsvorsitzender) hatte anfangs wissen wollen, inwieweit die Vereine auf die Dorfgemeinschaftshäuser angewiesen seien. Man wolle ins Gespräch kommen, sagten er und Thorsten Strippel (CDU-Fraktionsvorsitzender), Stefan Krug (GfB) erhoffte sich ein Feedback der Vereine, Klaus Reifschneider (FWG) erwartete Verbesserungsvorschläge.

„Wir müssen höllisch aufpassen, die Vereine nicht gegeneinander auszuspielen.“

Doch mit diesen Fragestellungen konnten die Vereinsvertreter wenig anfangen. „Hat sich ein Verein beschwert?“ fragte Bernd Wilfert vom MGV Breitenbach, beklagte eine fehlende Struktur der Veranstaltung und wollte wissen, warum man überhaupt zusammensitze. Wie Wilfert sahen das auch einige andere. Dabei war der Sitzungssaal im Rathaus fast bis auf den letzten Platz besetzt. Nur Jochen Hartig fragte, warum die Sänger fürs DGH zahlen müssten, das sie viermal im Jahr nutzten. Für den TSV Bebra wies Thilo Holzhauer auf die enormen Kosten hin, die der TSV für seine eigene Halle trage und die Mitgliedsbeiträge, die deshalb „langsam an die Substanz gehen“. Er warnte davor, die Vereine gegeneinander auszuspielen.

Keiner bezweifelte, dass ein Gesangverein nicht mit den Fußballern vergleichbar ist. Die Fußballer, die städtische Plätze bespielen, sind ihrerseits nicht mit den anderen Ballsportlern vergleichbar, die meist kreiseigene Hallen nutzen. Diese Hallen stellt der Kreis ganz bewusst kostenlos zur Verfügung, betonte Bernd Holzhauer (SPD-Kreistagsmitglied). „Weil er das wichtig findet.“ Holzhauer dankte den Vereinsvertretern denn auch für ihre Arbeit, die sie nicht bezahlt bekommen: „Wir sind froh, dass wir sie haben.“

Erst am Ende klärte sich die Lage mit dem Fazit • Eine Gleichbehandlung istnicht möglich. • Gespräche mit den Fußballvereinen sind erforderlich, weil die Verträge zum Jahresende gekündigt wurden (was der ursprüngliche Anlass für die Versammlung war). • Getrennte Treffen mit den Sportplatz- und den DGH-Nutzern sollten anberaumt werden, um Einsparpotenziale zu ergründen.

Etwa 150 Vereine sind in Bebra aktiv. Zur Förderung von Sport und Kultur gibt die Stadt jährlich etwa 110 000 Euro aus - das sind nicht einmal ein Prozent des gesamten Haushalts.

Die Stadt hat Vereinsförderrichtlinien (die viele Vereinsvertreter nicht kannten und die bisher nicht auf der Homepage der Stadt zu finden waren), zahlt Zuschüsse zu Sanierungsarbeiten, übernimmt anteilig Betriebskosten (bisher 50 Prozent) und setzt den Bauhof ein, etwa für das Mähen der städtischen Sportplätze (32 000 Euro im Jahr).

Hintergrund der Vereinsversammlung war die Kündigung der Verträge mit den Fußballvereinen für die Nutzung der Sportplätze und Sporthäuser Ende 2014. Die Fußballer sollten Rasenmäher bekommen und selbst mähen, die Betriebskosten sollten nur noch zu einem Drittel von der Stadt übernommen werden. Die Stadtverordneten lehnten jedoch ab, Geld für die Rasenmäher bereitzustellen.

Die größte Anlage, die der Stadt gehört, die Biberkampfbahn, wird von mehreren Vereinen genutzt. Hier sollte der FV Bebra die Verantwortung übernehmen und von den anderen für die Nutzung kassieren, zwei Hilfskräften wurde seitens der Stadt gekündigt und der Verein sollte nun 2/3 der Betriebskosten übernehmen.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

Lesen Sie mehr zum Thema in der gedruckten Ausgabe unserer Zeitung.

Kommentare