Mit dem Cello war es Liebe

Kardiologie und Konzerte - Prof. Dr. Christian Vallbracht im Interview

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Der Mann hinter den Rotenburger Festkonzerten: Prof. Dr. Christian Vallbracht.

Rotenburg. Ein Mediziner mit Herz für Bach und Tschaikowsky: Zum 17. Mal organisiert Prof. Dr. Christian Vallbracht das Festkonzert des Herz- und Kreislaufzentrums. Wir sprachen mit dem Chefarzt der Kardiologie, der selber Cello spielt, über seine Freude an Musik, das Cello und die Einzigartigkeit von Konzerten.

Herr Professor Vallbracht, das Cello und Sie - was ist das für eine Beziehung? Prof. Dr. Christian Vallbracht: Das war eine Liebesbeziehung. Ich habe mit neun Jahren angefangen, Cello zu spielen. Irgendwann hat sich für mich sogar die Frage gestellt: Cello oder Medizin? Aber die Medizin hat letztlich deutlich überwogen.

War Ihr Cellolehrer einverstanden mit dieser Entscheidung? Prof. Vallbracht: Er hat mir schon gesagt, dass es für mich möglich wäre, die Musik zum Beruf zu machen. Aber ich war nicht wirklich gespalten. Ich wollte Arzt werden. Dennoch war mein Cellolehrer eine wichtige Person in meinem Leben.

Inwiefern war er wichtig? Prof. Vallbracht: Er war kein großer Virtuose oder so. Aber ein großartiger Lehrer. Nach drei Jahren Unterricht sagte er mir: Jetzt kann ich dir nichts mehr beibringen, jetzt musst du woanders hingehen. Aber ich bin bei ihm geblieben. Er war ein feiner Mensch. Ich vergesse nie, wie ich ihm einmal einen langsamen Satz vorgespielt habe. Er hat sich das angehört und dann gesagt: Junge, bevor du nicht einmal wirklich Liebeskummer gehabt hast, ist das noch nicht richtig. Erst dann kannst du das spielen.

Aber diese Erfahrung haben Sie dann nachgeholt? Prof. Vallbracht: Ja, habe ich. (lacht)

Sie sagten, es war eine Liebesbeziehung mit dem Cello - ist diese Beziehung denn jetzt vorbei? Prof. Vallbracht: Nun ja, ich komme nur selten dazu, Cello zu spielen.

Sind Sie ein anderer, wenn Sie Musik machen? Ein anderer Mensch als der Chefarzt im weißen Kittel? Prof. Vallbracht: Der Kittel ist wichtig in meinem Beruf. Mit ihm fällt es mir leichter, die nötige Distanz zu den Patienten zu halten. Im Kittel bin ich nicht privat. Und sicherlich öffnet die Musik eine ganz andere Seite von mir. Aber ein anderer Mensch wird man deshalb nicht, das kann man ja nicht.

Welche Musik hören Sie gern? Prof. Vallbracht: Klassik. Bach kommt an erster Stelle. Dann Tschaikowsky, die Russen überhaupt.

Gibt es Interpreten, die Sie besonders schätzen? Prof. Vallbracht: Letztes Jahr war ein Cellist in Rotenburg, der war wunderbar. Der hat gespielt, als ob er schliefe, völlig entrückt. Ich mochte auch Rostropowitsch, den habe ich live gesehen, in meiner Heimatstadt Wuppertal.

Was ist anders, wenn man Musik live erlebt, im Konzert? Prof. Vallbracht: Nun, natürlich ist es auch schön, eine CD zu hören - zumindest, wenn die Boxen gut sind. (lacht) Aber wenn man einen Menschen sieht, der Musik macht, das ist doch noch mal etwas ganz anderes. Man wird auf neue, umfassendere Weise mit ihm bekannt. Und jedes Konzert ist anders. Es ist einzigartig.

Organisieren Sie deshalb die Festkonzerte - um den Menschen solche Erlebnisse zu ermöglichen? Prof. Vallbracht: Ja. Es ist so wichtig, dass bei uns Kultur stattfindet. Denn das wird immer weniger.

Musik und Medizin - irgendwie ist diese Verbindung typisch. Oder täuscht das? Prof. Vallbracht: Nein, das ist wirklich sehr häufig. Letztlich kann ich das aber nicht erklären.

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Von Vera Walger

Quelle: HNA

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