Neujahrsempfang: CDU-Rezepte und Wahlkampf-Medizin

Nachdenklich: Der CDU-Landratskandidat Dr. Michael Koch, der in seiner Rede auch auf die Klinikfusion einging.

Bad Hersfeld. Wahlkämpfe sind stets Sternstunden für alle Parteien. Da gibt es Viagra für die Volksseele und so manchen Schenkelklopfer für die politische Stammtischrunde.

Auch die Kreis-CDU läuft in diesen Tagen zur Hochform auf. Nachdem bereits am Aschermittwoch in Bebra beim Karnevals-Kehraus mit Hessens Innenminister Peter Beuth schon mal ordentlich auf den Putz gehauen wurde, legten die Christdemokraten bei ihrem Neujahrsempfang im „wortreich“ noch mal ordentlich nach.

Nach Jahren ohne den traditionellen Empfang war der Andrang groß, und schon zu Beginn der Veranstaltung wurden die Stühle knapp. Immerhin konnte die CDU an den Reigen von früheren prominenten Gastrednern anknüpfen und diesmal Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe begrüßen. Der hatte viel weiße Salbe und gute Rezepte für den Wahlkampf der Parteifreunde im Gepäck. Das freute die komplett versammelte Parteiprominenz des Kreises.

Für das richtige Aufputschmittel zum Einstand sorgte CDU-Kreisvorsitzender Timo Lübeck, der die SPD-Landratskandidatin Elke Künholz aufs Korn nahm. Ihr sprach er die Kompetenz ab, mit der sie selbst für sich wirbt, weil sie „nicht einmal die Einführung einer Mülltonne organisieren kann“, sagte Lübeck in Anspielung auf den Streit um die Bio-Tonne.

Denkpillen fürs Hirn gab es dann von CDU-Landratskandidat Dr. Michael Koch, dessen lang-gewachsenes Rückgrat am viel zu niedrigen Rednerpult allerdings leiden musste. Koch lobte die gute Arbeit von Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt, an die er anknüpfen wolle. Kernthema war – passend zum Besuch des Gesundheitsministers – natürlich die Klinikfusion.

Im Publikum hörten viele Fachleute wie Klinikumgeschäftsführer Martin Ködding, Radiologe Dr. Johannes Flicker, der Verwaltungsleiter des Kreiskrankenhauses, Sassan Pur und HKZ-Personalchef Hartwick Oswald oder der Arzt Dr. Akram Malakzay aus Bebra genau zu. „Ich bin für die eine kreisinterne Lösung – aber nicht koste es, was es wolle“, sagte Koch. Er strebe ein tragfähiges Konzept auf breiter politischer Basis an. Es gehe nicht zuerst darum, Geld zu verdienen, sondern um die Menschen, die Patienten.

Das hörte auch der Bundesgesundheitsminister gern, der betonte, dass ein solidarisches, finanzierbares Gesundheitssystem und eine starke Wirtschaft zusammengehörten. „Die Gesundheitsversorgung darf nicht davon abhängen, wo man wohnt“, sagte er und versicherte, die CDU werde den ländlichen Raum nicht vergessen. Dann holte Gröhe zu einem politischen Rundumschlag von Ukraine-Krise über IS-Terror bis zu Griechenlandhilfen aus und erinnerte sich nebenbei noch an Jugenderlebnisse im Interzonenzug in Bebra, mit dem er seine Großeltern in der DDR besuchte. Deshalb schmerze es ihn besonders, dass in Thüringen jetzt die „Halunken“ wieder den Ministerpräsidenten stellen. Das war die richtige Wahlkampf-Medizin für die CDU-Patienten und sorgte bei „homöopathischen“ Mengen von Bier und Brezeln für Gesprächsstoff beim geselligen Teil des Abends im „wortreich“.

Quelle: HNA

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