In Rotenburg schmücken bunte Häkeleien die Laternen und Brückengeländer

Strick-Graffiti in Rotenburg sind legal

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Gegen das Alltagsgrau: Leonie und Steffi Jahnke, von links, kennen sich mit dem Guerilla-Häkeln aus.

Rotenburg. Wie in ein buntes Netz gehüllt, sieht die Laterne in der Brückengasse aus. Von Rot über Lila und Blau bis Grün sind alle Farben vertreten. Aber was anmutet wie ein buntes Netz, sind gestrickte Graffiti.

„Das so genannte Guerilla-Häkeln ist derzeit im Trend“, erzählt Steffi Jahnke von Jahnke Werbung und Papeterie, die die Idee des Straßenschmucks in die Rotenburger Innenstadt brachte. Darauf gekommen ist sie, weil ihre Tochter in der Schule einen Handarbeitskurs gemacht hat. Dort häkelten die Schüler Pfosten ein.

„Der Trend geht wieder zur Handarbeit“, sagt Steffi Jahnke. Auch Jüngere würden sich für das Guerilla-Häkeln interessieren. Über 20 Leute seien im Team, das Rotenburg verschönern möchte. „Unser Ziel ist es, die Alte Fuldabrücke einzuhäkeln“, sagt die Besitzerin eines Geschäfts in der Brückengasse.

Maschen erregen Aufsehen

Die bunte Häkelkunst erregt auch schon Aufmerksamkeit. „Hier war eine Gruppe von Schülern aus der Jugendherberge, die haben gleich ihre Kameras gezückt,“ sagt Steffie Jahnke. Auch ihre Kunden seien begeistert. Einige hätten sich der Häkel-Graffiti-Gruppe deshalb angeschlossen. „Eine Kundin hat auch in ihrem Nordseeurlaub gehäkelt“, berichtet Jahnke. Sie kam kurz darauf mit einem Korb voller Häkelstücke wieder.

Eingehäkelt: Eine Teil der Gruppe, die Rotenburg mit bunten Maschen verschönert.

„Mir macht das Häkeln Spaß“, erzählt Monika Barborseck, die Rotenburg mit verschönert hat. Eine andere Frau hat schon fünf große Streifen für die Stadt gehäkelt. „Mir haben die Häkeleien gefallen, und ich habe mitgemacht“, sagt sie. Wegen der großen Maschen würde das Häkeln auch nicht lange dauern. Inspiriert davon beginnt sie nun, einen Überzug für einen Schaukelstuhl zu häkeln. Auch Kinder helfen bei den bunten Maschen aus Polyacryl-Wolle. „So wird Rotenburg bunter“, sagt die zehnjährigeLeonie Jahnke.

Schmuck ist erlaubt

Die Strick-Graffiti seien nicht nur bunt, sondern auch zugelassen, sagt Kerstin Schulz, Leiterin der Touristinfo Rotenburg. „Der Bürgermeister unterstützt die Aktion“, erzählt Schulz. Seiner Meinung nach würden die Häkeleien das Stadtbild auflockern. Das sehen aber nicht alle so, denn einige Teile des handgearbeiteten Schmucks wurden schon abgerissen.

Auch in Spangenberg zieren die Stricküberzüge die Neustadt. Dort war es Merike Schümers-Paas, die die Strick-Graffiti angefertigt hat.

Die Straßenkunst hat sie aus der Stadt Tallin in ihrem Heimatland Estland mitgebracht, als sie den Sommer 2011 dort verbrachte. Die estnische Stadt war im vergangenen Jahr Kulturhauptstadt geworden. Dafür wurde ein ganzer Park mit Strick-Graffiti verschönert.

Von Magdalena Dräger und Verena Koch

Quelle: HNA

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