Bundestagskandidat Michael Roth (SPD) kocht auf Kochsberg

Rührend: Der Bundestagsabgeordnete Michael Roth (SPD) fachsimpelt mit dem Chefkoch Ralph Winkelbach vom Hotel Kochsberg bei Eschwege, wie die Vanille am besten in den Topf kommt.

Am 22. September werden der Bundestag und der hessische Landtag gewählt. Unsere Zeitung war mit den Direktkandidaten aus der Region, deren Parteien bereits im Parlament vertreten sind, an deren Lieblingsorten.

Heute: Michael Roth, Bundestagskandidat der SPD für den Wahlkreis 169 Hersfeld-Rotenburg/Werra-Meißner. Michael Roth kocht. Als Lieblingsort hat er sich die Küche ausgesucht. Nicht einen geografischen Platz, einen Berg, einen Fluss oder eine bestimmte Stelle in einer Stadt, sondern einen Ort mit einem Thema der eigentlich überall sein könnte.

"Die Küche ist der wichtigste Ort im Haus, da spielt sich das Leben ab", sagt Roth, der am 22. September als Direktkandidat der SPD im Wahlkreis 169 (Hersfeld-Rotenburg/Werra-Meißner) für den Bundestag antritt.

Konkret stellt sich Roth in die Restaurantküche des Hotels Kochsberg in Grebendorf. Kochsberg, das von der Eschweger Sozialeinrichtung Werraland-Werkstätten betrieben wird, liegt am Nordhang der Hessischen Schweiz oberhalb des Ortes.

Von der Terrasse geht der Blick weit über das Werratal, liegt die Kreisstadt Eschwege dem Besucher zu Füßen. "Ja, Kochsberg gehört zu meinen Lieblingsorten, ich bin gern hier", sagt Roth. Vor zwei Jahren hat er hier ein Praktikum absolviert, hat in der Küche gearbeitet, Betten gemacht, abgeräumt und geputzt. Auch Gäste bringt er gern an diesen Ort.

In der Restaurantküche packt er erst einmal aus. Es gibt Kartoffeln mit Grüne Soße und zum Nachtisch "Roths Grütze". Rot-Grün also, die Speise ist Programm. "Alles, Kartoffeln, Kräuter und Früchte, kommt frisch vom Markt", sagt Roth und schnippelt los.

"Kochen ist für mich Entspannung", sagt Roth. Das mag man kaum glauben, so wie er loslegt. Schwupp, schwupp, schwupp, sind die Erdbeeren kleingeschnitten, die Johannisbeeren trennt er mit der Gabel vom Stiel, Heidel- und Himbeeren kommen im Ganzen in den Topf. Das geht alles zackzack und hochkonzentriert.

Ganz nebenbei unterhält er sich mit seiner Umgebung - zum Beispiel über die Chancen seiner Partei bei der Wahl ("im Bund wird es schwer, in Hessen könnte es klappen") oder mit Küchenchef Ralph Winkelbach, mit dem er darüber fachsimpelt, wie man die Samen der Vanille am besten in den Topf bekommt ("die Schote über dem Topf ausschaben"). Multitasking nennt man das, und jeder, mit dem er spricht, nimmt den Eindruck mit, ihm allein gelte Roths ganze Aufmerksamkeit.

Ob kochen, reden oder bewegen bei Roth geht alles fix. Er wirkt so, als ob er ständig unter Dampf stünde. Wenn er spricht, sprudelt es aus ihm heraus. Er ist immer in Bewegung und immer ein bisschen schneller als andere. Roth ist passionierter Läufer. Selbst wenn er geht, suggeriert er Tempo. Schnell hin. Erledigen. Schnell weg. Und dennoch vermittelt er seinem Gegenüber, sich alle Zeit der Welt für ihn genommen zu haben.

Das hängt vielleicht auch mit einer anderen Leidenschaft zusammen, die Roth seit Studententagen hegt. "Meine Leidenschaft galt immer dem Theater", sagt er. "Wie die Leute in einer Rolle aufgehen das ist eine Meisterleistung."

Daran, dass er am 22. September wiedergewählt wird, hegt Roth keinen Zweifel. Seit 1998 vertritt er den Wahlkreis in Berlin immer als direkt gewählter Abgeordneter.

Von Dieter Salzmann

Quelle: HNA

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