Salon-Inhaberin Tanja Deiß hält ihr Team durch ergonomische Schulungen fit

Bücken und Beugen ade

Gerade stehen: Nach den ersten Schulungen achtet Gisela Deiss genau darauf, aufrecht zu stehen und sich nicht zu sehr zu beugen. Fotos: Linke

Rotenburg. Mit 62 Jahren ist Gisela Deiss die älteste Mitarbeiterin im Friseurteam Tanja Deiß in Rotenburg. Das ist mittlerweile eine Seltenheit, weiß Geschäftsführerin Tanja Deiß. Damit ihre Mitarbeiterinnen auch noch im fortgeschrittenen Alter den Friseurberuf ausüben können, lässt Tanja Deiß ihr Team jetzt regelmäßig ergonomisch schulen.

„Die meisten Friseurinnen bleiben höchstens vier Jahre im Beruf“, sagt die 42-Jährige. Viele hätten bereits im Alter von 30 Jahren erste Haut- und Knochenkrankheiten. Grund sind das lange Stehen, Beugen und Bücken. Außerdem reagiere die Haut auf die Produkte. Auch Atemwegserkrankungen seien daher häufig.

Tanja Deiß hat sich einem Berliner Unternehmen angeschlossen, durch das ihr Team bis zu viermal im Jahr ergonomisch beraten und geschult wird. Auch die Lehrlingsausbildung unterscheide sich von der Ausbildung an den Berufsschulen. „Umsonst ist das nicht, aber das ist es mir wert“, sagt Tanja Deiß.

„Ich war schon skeptisch, ob die Kooperation wirklich Vorteile für uns bringt“, sagt Gisela Deiss. Seit 46 Jahren arbeitet sie als Friseurin. Im Laufe der Zeit habe sie Atemwegsbeschwerden bekommen, auch unter Rückenschmerzen leide sie. „Am Anfang meiner Berufslaufbahn gab es noch keine höhenverstellbaren Stühle“, erzählt sie. Auch die Produkte, mit denen gearbeitet werde, haben sich im Laufe der Zeit verbessert.

Weniger Schmerzen

„Obwohl die erste Schulung erst im Februar war, habe ich jetzt schon weniger Schmerzen“, sagt die 62-Jährige. Veränderte Schnitttechniken sorgen für eine bessere Haltung, das Frisieren gehe schneller, womit kürzere Stehzeiten beim Schneiden verbunden sind.

Das neue Konzept hält auch für die Kunden einige Überraschungen bereit. Wenn der Pony geschnitten wird, müsse der Kunde zum Beispiel aufstehen. „So kann ich als Friseurin auch aufrecht stehen und muss mich nicht bücken oder beugen“, sagt Deiss.

In der Ausbildung achte man am wenigsten auf die Körperhaltung, sagt eine jüngere Mitarbeiterin. „Da konzentriert man sich erst einmal auf den Kopf.“ Die Schulungen seien daher für alle – ob jung oder alt – von Vorteil.

„Seit ich selbst Schmerzen habe, ist mir diese Problematik erst richtig bewusst geworden“, sagt Tanja Deiß. Damit auch in Zukunft Friseurinnen lange in ihrem Beruf arbeiten können, müsse das Bewusstsein dafür bei den Salon-Inhabern, Friseuren, aber auch bei den Kunden, gestärkt werden.

Von Miriam Linke

Quelle: HNA

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