Literatur zum Austauschen und Leihen gibt es am Parkplatz altes Amtsgericht

Bücher vom Baum

Was hat der Bücherbaum zu bieten? Christa Wendel macht den Test. Sie hat auch die Skizze des Bücherbaums für den Wettbewerb geschaffen. Fotos:  Meyer

Rotenburg. Die Passanten schauen zuerst neugierig, dann umkreisen sie das ungewohnte Gebilde argwöhnisch. Der eine oder andere öffnet eine der Klappen, greift ein Buch heraus und fängt an, darin zu blättern. An der Einfahrt zum Parkplatz am alten Amtsgericht in Rotenburg steht seit gestern ein so genannter Bücherbaum: Drei massive Baumstämme mit Fächern, in denen Bücher stehen.

Horst Hessler brachte die Idee aus Berlin mit, wo er im Urlaub einen solchen Bücherbaum entdeckt hatte. In seiner Funktion als Vorsitzender der Rotenburger Bürgerhilfe brachten er und die Mitstreiter im Verein das Projekt Bücherbaum beim jährlichen Wettbewerb zur Vereinsförderung der VR-Bank Bad Hersfeld-Rotenburg ein. Die Idee und eine Zeichnung überzeugten die Jury, das Projekt gewann den ersten Platz und 5000 Euro für die Umsetzung.

Der Bücherbaum soll zum Umschlagplatz für Literatur werden. Wer will, darf sich ein Buch mitnehmen, es gelesen zurückbringen oder ein anderes Buch als Ersatz hineinlegen. Für eine breit gefächerte Grundausstattung hat die Bürgerhilfe gesorgt. Ein Liebesroman von Rosamunde Pilcher steht neben Peter Hahnes Gesellschaftskritik „Schluss mit lustig“, im Fach darunter warten die Lebenserinnerungen von Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki. Wer einmal um den Baum herumgeht, findet auf der anderen Seite „Leuchtendes Land“ von Patricia Shaw oder Richard von Weizsäcker „im Gespräch“.

Die Bürgerhilfe ist mit etwa 1500 Euro ausgekommen, denn Rotenburger Handwerksbetriebe haben zum Selbstkostenpreis gearbeitet. Die Holzbau-Firma Hahn schnitt die Stämme zu, die Lehrlingswerkstatt von Neumayer-Tekfor, ehemals RMW, lieferte neun Edelstahlkästen. Die Schmiede Ploß schweißte Edelstahlrahmen, Glasbau Rudolf sorgte für die Verglasung der Klappen mit Panzerglas, der Bauhof der Stadt Rotenburg das Betonfundament. Heinz Schlegl von der Bürgerhilfe fügte Kästen und Stämme eigenhändig zusammen.

Horst Hessler hofft, dass der Bücherbaum angenomen wird. Wenn ja, soll ein weiterer entstehen - vielleicht im Bahnhofsgärtchen auf der Neustadtseite.

Von Achim Meyer

Quelle: HNA

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