Bluttat in Bad Hersfeld: Mord oder Selbsttötung?

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Rafael P. am Tag nach der Tat auf dem Weg zum Haftrichter. Damals schwieg der 37-Jährige. Erst jetzt hat er sich zur Tat geäußert.

Bad Hersfeld/Fulda. Vor dem Schwurgericht des Fuldaer Landgerichts hat heute der Mordprozess gegen den Hersfelder Rafael P. (37) begonnen.

Staatsanwalt Andreas Hellmich wirft ihm vor, am 14. Dezember vergangenen Jahres unter erheblichem Alkoholeinfluss seine 42-jährige Lebensgefährtin in der gemeinsamen Wohnung im Stadtteil Zellersgrund heimtückisch getötet zu haben.

Rafael P. soll nach einem Streit die abgeschlossene Tür des Wohnzimmers, in das sich die Frau zurückgezogen hatte, aufgebrochen und in Tötungsabsicht auf das auf dem Sofa liegende, in eine Decke gehüllte Opfer mit einem Fleischermesser mit 20 Zentimeter langer Klinge insgesamt 50-mal eingestochen haben. Laut Anklage hatte die Frau keine Möglichkeit gehabt, sich von der Bettdecke zu befreien oder effektive Gegenwehr zu leisten.

Je ein Stich durchdrang eine Lungenarterie und die Körperhauptschlagader, was zum baldigen Tod der 42-Jährigen führte.

Der Angeklagte, der zu den Vorwürfen bisher geschwiegen hatte, wird vor Gericht aussagen und nach Angaben seines Verteidigers, des Bad Hersfelder Rechtsanwalts Jochen Kreissl, einen vollkommen gegensätzlichen Verlauf des Geschehens schildern. P.’s Einlassung zufolge hat sich seine Lebensgefährtin die tödlichen Verletzungen nämlich selbst zugefügt. Ausgangspunkt sei in permanenter Lebenskrise ein gemeinsamer, geplanter Suizid gewesen. Nach wechselseitigen Vorhaltungen habe die Frau dann ein Messer ergriffen und zunächst ins Sofa gestochen, dann aber sich selbst in Arme und Beine.

P. habe sie davon abhalten wollen, gibt Kreissl die Aussage seines Mandanten wieder, doch die 42-Jährige habe sich nun wiederholt in den Oberkörper gestochen und sei zur Seite gefallen.

Als er bei ihr dann kein Leben mehr gefühlt habe, habe P. das Messer ergriffen, geschrien und in tiefer Verzweiflung auf die Freundin eingestochen, um die Gewalt auch gegen sich richten zu können. Dazu hätten ihm jedoch Mut und Kraft gefehlt, erläutert der Anwalt. Untermauern will er diese Version mit Indizien und Gutachten.

Das Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Josef Richter hat den Prozess bis zum 12. Juli terminiert und 44 Zeugen geladen.

Von Karl Schönholtz

Quelle: HNA

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