Bläser mit langem Atem

Ernst Roßkopf musiziert seit 69 Jahren im Posaunenchor, 50 Jahre lang war er Leiter

Jeden Tag übt er: Ernst Roßkopf (81) mit seiner Trompete. Er möchte seine Mitspieler im evangelischen Posaunenchor Bebra auf keinen Fall enttäuschen. Foto: Vera Walger

Bebra. Gut vorbereitet zu sein, das ist für Ernst Roßkopf äußerst wichtig. Das gilt nicht nur für seine „verrückten“ Unternehmungen wie jene Tageswanderung über 100 Kilometer, von der er gern erzählt. Das gilt auch für wichtige Entscheidungen im Leben des 81-jährigen Bebraners.

Im Jahr 2004 gab er nach 50 Jahren die Leitung des evangelischen Posaunenchors Bebra ab. Bevor er seinen Entschluss dem Gemeindevorstand vortrug, hatte er sich innerlich lange vorbereitet, war mit sich ins Reine gekommen. Er wusste, es war an der Zeit für einen Wechsel – und ist heute ein glücklicher Blasmusiker von vielen in den Reihen des Chors, der in diesem Jahr sein 120-jähriges Bestehen feiert. Mit seinem Nachfolger Igor Karassik versteht er sich prächtig.

Ernst Roßkopfs Weg zur Blasmusik war zunächst kein einfacher. Zwölf Jahre war er alt, als er, animiert vom damaligen Chorleiter Fritz Röhn, mit dem Trompetespielen beginnen wollte. Doch sein Vater war strikt dagegen.

Erst die Überredungskunst Röhns konnte den Vater erweichen. „Na gut, dann soll´s so sein“, sagte der Vater, „der hält ja sowieso nicht lange durch“.

Doch da hatte er sich in seinem Sohn Ernst gründlich getäuscht. Seit 69 Jahren ist der nun Mitglied des Posaunenchors. Er entdeckte bald, dass das gemeinsame Musikmachen ihm wirklich Freude machte – und dass er Talent hat. Noch heute übt er täglich, „mehr als früher sogar“.

Neben Trompete spielt Ernst Roßkopf auch Tenorhorn, Zugposaune und fast alle anderen Instrumente des Chors. Das hat er sich angeeignet, als er mit 22 Jahren dessen Leiter geworden war – ein Leiter mit Ambitionen, der mit der Zeit immer „runder“ wurde, wie er sagte, immer weniger aneckte also.

„Ob ich ein guter Chorleiter war, das weiß ich heute noch nicht“, sagt er schmunzelnd. Doch die Kirche sei mit der Zeit immer voller geworden, wenn der Posaunenchor spielte.

An einige Konzerte erinnert sich Ernst Roßkopf besonders gern, das zum 100. Geburtstag des Chors zum Beispiel. An dieses herrliche Gefühl, ein Teil von etwas Schönem zu sein. Doch noch höher schätzt er das Zwischenmenschliche, das ihm die Musik gegeben hat und heute noch gibt. Die vielen Begegnungen. Und auch, dass seine Hilfe immer noch gefragt ist. „Dafür bin ich dankbar.“

Von Vera Walger

Quelle: HNA

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