Montagsinterview: Melanie Schaar ist Knigge-Trainerin und schult Personal

Bitte und Danke müssen sein

So geht es: Brigitte Schaar zeigt, wie man ein Champagner-Glas richtig anfasst. Foto: Schankweiler-Ziermann

Bebra. Gutes Benehmen erleichtert das Miteinander in Beruf, Freizeit und Familie. Wie man es richtig macht, weiß Melanie Schaar. Sie schult nicht nur das Personal des Maler- und Putzbetriebs Richardt in Bebra, sondern hat schon einige Kurse gegeben, beispielsweise in der Grundschule Breitenbach.

Frau Schaar, Knigge – ist der nicht schon lange tot?

Melanie Schaar (lacht): Er lebt gerade wieder auf. Das Interesse an dem Thema ist wieder groß. Zu Knigges Zeiten war gutes Benehmen übrigens das Privileg einer bestimmten Schicht. Knigge hat die Verhaltensregeln nur aufgeschrieben und damit gewissermaßen gepetzt.

Die Hitze in diesen Tagen schreit nach leichter Bekleidung. Was ist erlaubt?

Schaar: Kurze Hosen sollten der Freizeit vorbehalten bleiben. Selbst auf der Baustelle tragen die Männer lange Hosen, auch aus Sicherheitsgründen. Damen tragen Strümpfe, und auch Sandalen gehören eher an den Strand. Im Business sollte bei den Damen der Schuh geschlossen und nicht einmal der große Zeh zu sehen sein. Spricht man mit einer anderen Person, sollte man die Sonnenbrille abnehmen und damit zeigen, dass man ihr die volle Aufmerksamkeit schenkt.

In den Mantel helfen – das möchten manche Frauen nicht mehr, und viele Männer sind unsicher, wie sie es richtig machen.

Schaar: Es ist eine nette Geste, einer Frau in den Mantel zu helfen beziehungsweise ihn zur Garderobe zu bringen. Ich freue mich darüber. Man kann ja höflich fragen oder auch ablehnen, das ist nichts Schlimmes. Übrigens geht die Dame in ein Lokal nicht vor. Der Mann guckt gewissermaßen, ob die Luft rein ist. Zum Tisch geht dann die Frau vor.

Händeschütteln mögen manche Menschen nicht, manche wegen Ansteckungsgefahr oder auch, weil der Händedruck ihnen Schmerzen bereitet.

Schaar: In kleineren Gruppen ist das Händeschütteln erwünscht. Man drückt kurz die Hand – nicht wie ein toter Fisch – schüttelt aber nicht. Wer das nicht wünscht, kann dem anderen zunicken und sich auch erklären. Das Gegenüber sollte nicht nachbohren, wenn jemand den Händedruck ablehnt.

Worauf kommt es im Betrieb besonders an?

Schaar: Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit müssen sein. Pünktlich heißt pünktlich, nicht zehn Minuten früher. Bei großen Firmen kommt man allerdings etwas früher, um sich anzumelden. Mehr als eine Viertel Stunde Verspätung geht gar nicht. Wer sich verspätet, sollte kurz anrufen. Guten Tag, Bitte und Danke sollten selbstverständlich sein. Wir grüßen den Kunden zuerst und melden uns am Telefon mit dem vollen Namen. Praktikanten sollten sich als solche melden, dann weiß das Gegenüber, mit wem es zu tun hat und stellt nicht gleich Fachfragen. In jedem Fall ist der Kunde König.

Sie sind für das Personal einer gewerblichen Firma zuständig. Ihre Mitarbeiter sind auch in Privathäusern tätig. Was ist zu beachten?

Schaar: Bei Arbeiten in den Häusern ist es wichtig, dass sich die Mitarbeiter vorstellen, bei Bedarf Überziehschuhe verwenden und am Abend ankündigen, wann sie am nächsten Morgen weitermachen werden. Wird die Toilette benutzt, muss vorher gefragt werden. Kippen dürfen natürlich nicht im Blumenbeet landen – es gibt vieles, was die Mitarbeiter beachten sollten. Gewerbliche Azubis sollten genauso geschult werden wie die in der Verwaltung.

Was ist beim Essen zu beachten?

Schaar: Anstoßen ist anstößig, das tut man eigentlich nur mit Sekt und Champagner zur Hochzeit und nur mit gleichen Gläsern. Diese fasst man am Stiel an und sieht sich an, wenn man das Glas hebt. Gerade sitzen und nicht anlehnen ist ebenfalls wichtig, wenn man es richtig machen will. Viele Vorstellungsgespräche finden heute übrigens bei einem Essen statt. Dann sollte man wissen, dass die Serviette auseinandergebrochen und nach dem Essen nicht zerknüllt auf den Teller gelegt, Besteck von außen nach innen genommen wird. Guten Appetit wünscht nur der Kellner. Und das Handy sollte beim Gespräch stumm geschaltet sein.

Was sind ihre Tipps zur richtigen Haltung?

Schaar: Gerade gehen und stehen, mit stolzer Brust – das sieht ästhetischer aus, wirkt aufgeweckt und sicher.

Was hat Sie bewogen, Knigge-Trainerin zu werden?

Schaar: Das hat mich schon immer interessiert. Es ist einfach schön zu wissen, wie es geht. Ich bin aber nicht so streng. Natürlich kommt es immer darauf an, in welchem Rahmen man sich bewegt. Auch in der Erziehung ist es wichtig, die Regeln zu vermitteln. Bitte und Danke müssen immer sitzen.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

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