Weder Diebstähle noch Prügeleien

Bisher alles ruhig: Gerüchte über Rotenburger Flüchtlinge sind haltlos

Auf dem Weg von und in die Kaserne: die Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung Rotenburg. Foto: Janz

Rotenburg. Seit knapp drei Wochen leben Asylbewerber in der Alheimer-Kaserne in Rotenburg. In der Stadt gibt es die wildesten Gerüchte über Ladendiebstähle und Prügeleien. 

Die erweisen sich bei Nachfrage alle als haltlos. 685 Flüchtlinge sind es seit Donnerstagabend.

Das Gegenteil ist sogar der Fall, zeigt eine Umfrage unserer Zeitung unter Geschäftsleuten: Bislang gibt es mit den Flüchtlingen keinerlei Probleme. Sie sind im Stadtbild präsent, kaufen ein, verhalten sich unauffällig, und Ladendiebstähle sind nicht bekannt geworden. Die größte Schwierigkeiten bereitet die schlechte Verständigung, weil kaum ein Asylbewerber Deutsch spricht. Doch mit Englisch, Händen und Füßen funktioniere es schon, sagen die Einzelhändler übereinstimmend.

Die Behauptung, ein Discounter habe wegen zahlreicher Zwischenfälle einen Sicherheitsdienst beauftragt, ist ebenso haltlos wie Gerüchte über den Edeka-Markt auf der Hochmahle, der am nächsten an der Kaserne gelegen ist. „Die Polizei geht bei uns nicht aus und ein, wie behauptet wird, und es gibt auch keinen Schaden von 2000 Euro durch Ladendiebstahl“, stellt Inhaber Udo Sandt klar.

„Das sind unfassbare Gerüchte, davon stimmt nichts“, sagte Kriminaldirektor Klaus Wittich während des Bürgerforums am Donnerstag. Dem Polizeipräsidium seien bislang keine Vorkommnisse bekannt geworden. Einem einzelnen Ladendiebstahl, von dem ein Geschäftsmann berichtete, will Wittich nachgehen.

Auch innerhalb der Einrichtung sei es bisher weitgehend ruhig gewesen. Laut Wittich gab es nur eine Handgreiflichkeit zwischen drei jungen Männern, die sich über die Lautstärke der Musik stritten. Von einer „sagenhaften Atmosphäre“ berichtet der kommissarische Leiter der Erstaufnahmeeinrichtung, Thomas Baader. Die guten Bedingungen in der Kaserne sorgten dafür, dass Frust und Konflikte erst gar nicht aufkommen.

Zwei Gebäude werden renoviert 

Die Erstaufnahmeeinrichtung hat am Donnerstag ihre vorläufige Höchstbelegung von knapp 700 Menschen erreicht, als ein weiteres Gebäude in Betrieb genommen wurde. Nun sollen noch zwei Häuser für die Unterbringung von Flüchtlingen vorbereitet werden, sagt der kommissarische Leiter Thomas Baader. Das wird etwa bis Jahresende dauern, weil unter anderem Fenster, Türen und Sanitäreinrichtungen erneuert werden. Dann hat die Kaserne laut Baader eine Kapazität von über 900 Plätzen - die nach Angaben des Sozialministeriums angepeilte Höchstbelegung. Allerdings werden danach noch zwei Gebäude frei, wenn die Bundeswehr die Kaserne verlässt.

Welche Fragen die Rotenburger während des Bürgerforums gestellt haben, lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe der HNA Rotenburg-Bebra.

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Quelle: HNA

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