Bilanz des Ausbildungsjahres

Schüler ziehen höheren Abschluss der Lehre vor

Hersfeld-Rotenburg. Die Lage am Ausbildungsmarkt im Kreis Hersfeld-Rotenburg ist nicht mehr ganz so positiv wie vor einem Jahr. Die Zahl der angebotenen Lehrstellen ist im Vergleich zum starken Jahr 2012 gesunken. Dafür blieb die Zahl der Jugendlichen, die eine Ausbildung beginnen wollten, konstant.

Diese Bilanz des Ausbildungsjahres zieht die Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Rotenburg. Demnach haben die Firmen nur noch 938 Lehrstellen angeboten - 155 weniger als 2012, als allerdings besonders viele offene Ausbildungsplätze gemeldet wurden. Diese Entwicklung sei nicht dramatisch, werde aber mit einer gewissen Sorge betrachtet, sagt der Leiter der Arbeitsagentur, Waldemar Dombrowski. Die Ausbildung sei wichtig, um dem erwarteten Fachkräftemangel zu begegnen.

Dass die Zahl der Bewerber mit 978 (plus 16) konstant blieb, zeigt zugleich, dass der doppelte Abiturjahrgang nicht die erwarteten Auswirkungen hat: „Auch G8 hat nicht dazu geführt, dass die jungen Leute schneller am Ausbildungsmarkt ankommen“, sagt Dombrowski. Im Gegenteil: Der Anteil der Abiturienten an den Bewerbern ging sogar zurück. Sie ließen sich nach der Reifeprüfung ein Jahr Zeit oder strebten an die Universitäten.

Generell beobachtet die Arbeitsagentur einen Trend zur weiterführenden Schule, um einen höheren Abschluss zu machen. „Bei Eltern und Jugendlichen ist noch nicht angekommen, dass die Chancen dadurch nicht unbedingt steigen“, sagt Dombrowski. Ein guter Haupt- und Realschulabschluss sei einem schlechteren Fachabitur vorzuziehen. Schließlich bräuchten die Firmen jetzt den Nachwuchs. „Jede Lehrstelle, die heute nicht besetzt wird, entspricht einer Fachkraft, die uns in sechs, sieben Jahren fehlt“, sagt Dombrowski. 2013 blieben 51 Ausbildungsplätze unbesetzt, 26 Jugendliche fanden keine Lehrstelle.

Von Marcus Janz

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Quelle: HNA

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