Lkw-Fahrer fährt nach Pfefferspray-Attacke weiter: „Das ist mein Naturell"

Atemnot: Mit einer Ladung Pfefferspray ist der 60 Jahre alte Berufskraftfahrer Friedhelm K. von Dieben außer Gefecht gesetzt worden. Archivfoto: Haas/nh

Neuenstein. Eine Pfeffersprayattacke hat am Mittwoch um 0.30 Uhr den Sattelzugfahrer Friedhelm K. aus Medebach im Hochsauerlandkreis für fast eine Stunde außer Gefecht gesetzt. „Ich habe sofort Nasenbluten bekommen und auch das Atmen durch den Mund ist mir sehr schwergefallen", sagt der 60-Jährige.

Der Mann, der seit 37 Jahren auf dem Bock sitzt, zeigt sich aber wenige Stunden nach der Tat - er war auf dem Parkplatz am Pommer an der A 7 von Unbekannten überfallen worden - schon wieder ganz unerschrocken. „Ich feiere nicht krank. Wenn die Plane repariert ist, lade ich wieder und weiter geht es“, sagt der 60-Jährige.

„Ich habe sofort Nasenbluten bekommen und auch das Atmen durch den Mund ist mir sehr schwergefallen.“

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Die Dachplane seines Aufliegers hatten Unbekannte in der Nacht zerschnitten, um die Ladung über das Dach zu stehlen. 150 Alu-Felgen hatten die Täter bereits aus- und umgeladen, ehe Friedhelm K. durch das Schaukeln der Fahrerkabine aufwachte. „Ich habe erst gedacht, draußen stürmt es. Als ich raus bin, um nachzuschauen, habe ich das Malheur entdeckt. Ich bin zurück ins Fahrzeug, um die Polizei zu rufen. Da flog die Tür auf und ich habe die volle Ladung Pfefferspray bekommen“, erinnert er sich.

Für fast eine Stunde war er nicht in der Lage, sein Telefon zu bedienen. „Ich habe mir dann erst einmal mit Wasser aus meinem Kanister die Augen ausgewaschen.“

Nach einigen Stunden Abstand zu dem Überfall glaubt Friedhelm K. aber doch, dass er großes Glück gehabt hat. „Die haben schließlich die Plane aufgeschlitzt. Das Messer hätten sie ja auch gegen mich einsetzen können. Die waren sicher die ganze Zeit auf dem Fahrzeug, während ich draußen rumgelaufen bin, um nachzusehen.“

Richtig schützen könnten sich Berufskraftfahrer gegen solche Diebesbanden nicht. „Mein Chef hat schon darüber nachgedacht, feste Aufbauten einzusetzen. Aber das sind Profis. Gegen die hat man keine Chance.“

Obwohl er das weiß, verschwendet Friedhelm K. keinen Gedanken ans aufhören. Mehr noch: Auch künftig wird er ganz furchtlos helfen, wenn einer seiner Kollegen oder irgendjemand anderes in Not gerät. „Ich schaue nicht weg sondern greife ein, wo ich kann. Das ist mein Naturell.“

Von Mario Reymond

Quelle: HNA

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