Gutachter: Spuren passen nicht zur Aussage des Angeklagten

Bebraer Mordprozess: Zweifel an Unfall

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Bebra / Fulda. Im Mordprozess gegen einen 69-Jährigen aus Bebra haben zwei Gutachter des Landeskriminalamtes die Tatversion des Angeklagten erschüttert. Dass der Angeklagte bei der Tat im heimischen Schlafzimmer über seine zwei Jahre jüngere Frau gestolpert sei und sich aus Zufall ein Schuss gelöst hat, halten sie für wenig wahrscheinlich.

Das sagten ein Molekularbiologe und ein Waffenexperte gestern vor dem Landgericht Fulda. Der Molekularbiologe Dr. Harald Schneider hatte Spuren des Opfers auf der Tatwaffe, einem Jagdgewehr, und einer Schlafanzugjacke des Schützen gefunden.

Wenn der Angeklagte, wie er sagt, nach dem versehentlichen Schuss auf seine Frau gefallen ist, müsste mehr Blut an der Schlafanzugjacke sein, sagte Schneider. Er hätte auch mehr Blutspritzer an den Wänden des Tatorts erwartet. Erklären lasse sich das Spurenbild dadurch, dass die Frau schon vor dem Schuss von einer Decke umhüllt gewesen sei. Der Angeklagte hatte aber erklärt, er habe seine Frau erst nach dem Schuss zugedeckt, weil er ihren Anblick nicht ertragen habe.

Der 69-Jährige hatte auch gesagt, er habe seine Frau nach dem Schuss ins Bett gehoben. „Wenn die Tat so abgelaufen ist, wie der Angeklagte schildert, hätte er selbst voller Blut sein müssen – und die Wände auch“, so der Experte.

Der Schusssachverständige des LKA, Kriminalhauptkommissar Andreas Brandhorst, berichtete, dass sich die Waffe bei der Abgabe des Schusses zum Teil über der Matratze befunden haben müsse. Die Frau wurde im Kopf getroffen. Die Entfernung zwischen Schütze und Opfer lasse sich zwar nicht bestimmen. Der Schusswinkel sei jedoch nicht plausibel mit der Schilderung des Angeklagten in Übereinstimmung zu bringen, er sei über die Beine seiner Frau gestolpert und dabei habe sich ein Schuss gelöst. Hundertprozentig ausschließen mochte Brandhorst die Unfallversion aber nicht. (vn)

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