Taliban in Bebra?

Vorschläge für Lokschuppen abgelehnt

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Der Lokschuppen: Er sollte laut Stadtverordnetenbeschluss dem Verein übereignet werden, doch Bürgermeister Horst Groß und der Magistrat haben dies bis heute nicht umgesetzt.

Bebra . Keine Einigung zur Wegeführung am Bahnhof Bebra Richtung Osten. Der Magistrat wolle den Abriss oder den Zusammenbruch des Lokschuppens, sagt Wolf-Dietrich von Verschuer vom Verein Industriedenkmal Bahnhof Bebra.

Der Weg spielt eine entscheidende Rolle beim Erhalt des Lokschuppens II, für den sich der Verein mit viel Elan einsetzt.

Der Magistrat hat dem Verin mitgeteilt, dass die Wegeführung von der Gilfershäuser Straße beziehungsweise von der P+R-Anlage zum Bahnhofseingang wie geplant und genehmigt verlaufen werde. Nach eingehender Diskussion habe sich der Magistrat entschieden, den Beschluss nicht abzuändern. Auch ein Gestattungsvertrag für die Reparatur des Lokschuppendaches vor einer Übereigung werde nicht abgeschlossen, erklärte der Magistrat dem Verein.

Damit sind alle Hoffnungen des Vereins auf eine Einigung mit dem Magistrat zerstoben. Vereinsvertreter hatten dem Magistrat bei einem Treffen vorgeschlagen, die Kosten der Umplanung des Weges zu übernehmen, um zu sehen, welche Kosten auf den Verein zukämen. Außerdem hatte die Vereinsspitze den Magistrat um einen Gestattungsvertrag gebeten, um das löchrige Dach des Lokschuppens neu eindecken zu können. Die Zeit dränge, um weitere Schäden an dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude zu verhindern.

Es werde immer deutlicher, warum „alle, aber auch alle unsere Vorschläge vom Magistrat abgelehnt werden“, erklärte Wolf-Dietrich von Verschuer. „Das Gremium will den Abriss beziehungsweise den herbeigeführte Zusammenbruch des Gebäudes“. Von Verschuer spricht von der „Talibanisierung der Bebraer Geschichte“. „Alles, was daran erinnert, soll untergehen. Von den Buddha-Statuen in Bamiyan über Timbuktu nach Bebra, von der Villa über das Deutsche Haus, der Krempe und Haus Großkurt, demnächst vielleicht auch noch Semms Eck und das Inselgebäude“, so erklärt von Verschuer. Sauberkeit sei die Devise, alles Alte störe, müsse weg. „Zwei Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung werden ausgehebelt, werden ignoriert von einem Bürgermeiser mit noch kurzer Verweildauer und seinen Stadträten und -rätinnen. Demokratie ist, wenn es ihnen passt“, heißt es vonseiten des Vereins.

Kulturelles Erbe

Der Bau einer neuen Mitte vernichte die wenigen „Denk(!)mäler unserer Vorfahren, schafft weitere Tempel des Konsums, schafft neue Wüsten des urbanen Lebens“. Der Lokschuppen sei eines der wenigen kulturellen Erbstücke aus Bebra und ein Identitätsstifter.

Schon im Herbst hatten die Stadtverordneten beschlossen, dem Verein den Lokschuppen zu übereignen. Der Magistrat hat den Beschluss bisher aber nicht umgesetzt, weil er hohe Kosten auf die Stadt zukommen sieht. (ank)

Quelle: HNA

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