Im Rangierbahnhof

Umschlag von Fahrzeugen und Teilen: Bebra soll Drehscheibe für Daimler werden

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Gute Nachrichten: Daniel Stange, der Standortleiter der DB Schenker Rail, brachte sie mit zum Sommerfest der GDL am Bebraer Wasserturm. Von links Daniel Stange, Thomas Mühlhausen und Günther Kinscher mit Martha Kerst, deren Mann Hans in den 50-er Jahren Vorsitzender der GDL in Bebra war.

Bebra. Der Stuttgarter Autohersteller Daimler hat starkes Interesse bekundet, den Umschlag von Fahrzeugteilen und später auch von Neufahrzeugen nach Bebra zu verlagern.

Am Rande des Sommerfestes der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) in Bebra bestätigte Daniel Stange, Standortleiter der DB Schenker Rail (Kassel) und zuständig auch für Bebra, die Pläne.

Der Rangierbahnhof in Bebra soll danach ab Dezember dieses Jahres zu einer Art Drehscheibe für die Verteilung von Fahrzeugteilen wie Blechen, Getrieben, Sitzen für Daimler werden. Ab Sommer 2015 sollen dann auch Neufahrzeuge von Bebra aus verteilt werden. Hintergrund der Pläne sind die Bauarbeiten für Stuttgart 21. Derzeit werden die genannten Aufgaben für Daimler in Kornwestheim bei Stuttgart erledigt. Dort mangele es aber wegen des Großprojekts Stuttgart 21 zurzeit an Platz.

Insgesamt handelt es sich ab Sommer 2015 um etwa 70 Züge pro Woche mit durchschnittlich 25 Waggons. Das Personal muss bis dahin um sechs bis acht Fachkräfte im Rangierdienst aufgestockt werden, die erst noch ausgebildet werden sollen.

Stange erklärte, es sei ziemlich sicher, dass die Aufgaben für Daimler künftig den Bebraer Rangierbahnhof wieder aufwerten werden.

In Bebra steht die erforderliche Infrastruktur kurzfristig zur Verfügung. Da die Waggons für Daimler jedoch nur gekuppelt mit einer Lokomotive rangiert werden dürfen, müssen Teile der derzeit im Bebra stattfindenden Rangierarbeiten wieder auf den Ablaufberg verlagert werden, um den für die zusätzlichen Rangieraufwendungen notwendigen Platz zu schaffen. Hierfür müssten dann auch die Gleisbremsen überholt und instandgesetzt werden, für die Bedienung dieser benötige man zusätzliches Personal erklärten Thomas Mühlhausen und Patrick Rehn von der GDL. „Bebra bietet sich an“, sagte Mühlhausen - Gleise, Weichen, Gebäude seien vorhanden. Man verfüge auch über die erforderlichen Kapazitäten. Der Standort in der Mitte Deutschlands spricht ebenfalls für Bebra.

Bebra. Mit dem Umschlag von Komponenten für Daimler starte man eine Art Probebetrieb, erläuterte Thomas Mühlhausen von der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) beim Sommerfest in Bebra. Die Züge mit den Waggons voller Fahrzeugteile würden in Bebra so zusammengestellt, dass man im Werk damit arbeiten könne. Denn beispielsweise ein ganzer Zug mit 25 Wagen voller Autositze - entsprechend 25 Lkw mit Hänger - ist am Werk so nicht brauchbar. Jetzt noch in Kornwestheim bei Stuttgart, ab Dezember vorausichtlich in Bebra, werden die Wagen so sortiert, dass die Züge die für die Produktion erforderlichen Verbände erhalten.

Mühlhausen sprach von einem Signal für den Rangierbahnhof, dass es wieder aufwärts gehe. Seit der Wende 1989 seien nur Aufgaben von Bebra weg verlagert worden.

Auch andere Auftraggeber könnten aufmerksam werden, wenn der große Auftrag in Bebra reibungslos abgewickelt werde.

Man hoffe auf langfristige Verkehre, sagte Patrick Rehn (GDL). Es sei eher unwahrscheinlich, dass die Aufgaben mit Fertigstellung von Stuttgart 21 zurück nach Kornwestheim gingen, zumal die Bauarbeiten dort frühestens in acht bis zehn Jahren beendet würden

Für Daniel Stange, der Standortleiter der DB Schenker Rail in Kassel, war der Besuch beim Sommerfest der GDL in Bebra ein Heimspiel. Er wurde in Bebra zum Lokomotivführer ausgebildet und stammt aus Ludwigsau.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

Quelle: HNA

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