Bebra: Vor 80 Jahren vom Dorf zur Stadt

Kirmesfestzug vor Verleihung der Stadtrechte: Hier ist ein Nachbau der Lok Adler zu sehen, vorn rechts Annemarie Schuchardt.

Bebra. Mit einem großen Fest ist vor 80 Jahren die Stadt Bebra aus der Taufe gehoben worden - in Verbindung mit der Bäwerschen Kirmes.

„Unvergesslich wird uns allen dieses erste Heimatfest in unserer jungen Stadt Bebra sein“, hieß es am 30. September 1935 in einem örtlichen Blatt. „...unvergesslich dieses Meer von Flaggen und Wimpeln, die Straßen im Festkleid...“ Doch weiter mag man den Bericht heute nicht mehr zitieren. Denn mit dem Datum der Stadtwerdung ist auch ein unrühmlicher Teil der deutschen Geschichte verbunden, und die Berichterstattung damals war unverhohlen nationalsozialistisch gefärbt. Die Übergabe der Urkunde fand nach dem Kirmesfestzug statt, und zwar „Am Anger“, der damals - wie viele Plätze in anderen Städten auch - „Adolf-Hitler-Platz“ hieß.

Lexikonwissen: 

Bebra im Regiowiki

Bürgermeister Otto Kraffke hatte sich bereits seit mehr als zehn Jahren um die Stadtwerdung bemüht - nicht aus Eitelkeit heraus, sondern aus der Erwägung, dass dies „den Aufstieg auf wirtschaftlichem wie auch kulturellem Gebiet wesentlich unterstützen“ werde.

Im Jahr 1985 hat Stadtarchivar Rudi Eichhorn in der „Bürgerzeitung“ die lange Reihe der Anläufe, Stadt zu werden, detailliert nachgezeichnet. Der erste Antrag stammte vom 5. Dezember 1924 und ging an den Landrat, der, sich auf das Preußische Innenministerium berufend, keine Aussicht auf Erfolg sah. Die Bebraner ließen sich aber - wie in der Folge noch mehrfach - nicht abschrecken und wollten mit einer Abordnung nach Berlin fahren, was vom Ministerium als zwecklos und mit Hinweis auf „Sparsamkeit“ auch als nicht angezeigt bezeichnet wurde.

Ein weiterer Versuch scheiterte im November 1929, als andere Gemeinden in der Provinz Hannover in den Rang einer Stadt erhoben worden waren. Man erkundigte sich in Springe, wie das gelungen war, doch die Sachlage ließ sich auf Bebra nicht übertragen. 1930 wagte Bebra einen weiteren Vorstoß bei Abgeordneten des Preußischen Landtags, erhielt aber auch hier eine Absage mit der Begründung, dass eine Bewilligung eine Lawine neuer Anträge anderer Landgemeinden nach sich ziehen würde.

Der Machtwechsel 1933 ermutigte Kraffke zu einem weiteren Versuch - wieder ohne Erfolg. Nun schaltete man die NSDAP ein und kassierte eine weitere Absage.

Doch mit einer Neufassung der Gemeindeordnung änderte sich die Zuständigkeit: Nicht mehr Berlin, sondern der Oberpräsident von Hessen Nassau, Prinz Philipp von Hessen in Kassel war jetzt Ansprechpartner. Ein Antrag an ihn ging Ende April 1935 in die Post, eine Nachfrage folgte am 10. Juli 1935. Im September erklärte der ehemalige Bebraer Gaupropagandaleiter Kurhessen, Henner Gernand, er wolle die Stadtwerdung befördern, und tatsächlich kam am 27. September endlich die ersehnte Nachricht.

Die Quellen zum Thema hat Peter Kehm vom Stadtarchiv zusammengestellt. 

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Quelle: HNA

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