Die gute Seele vom Bibercafé

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Omas Aufgabe: Die Spülmaschine ein- und ausräumen. Die 91-jährige Liselotte Brall hilft jeden Tag im Bibercafé in der Innenstadt hinter dem Tresen. Links Enkelsohn und Café-Inhaber Andreas Brall, rechts Kellnerin Andrea Schulz

Bebra. Wer Glück hat, bekommt im Bebraer Bibercafé eine Schwarzwälder Kirschtorte angeboten, die Liselotte Brall gebacken hat. Einmal in der Woche bereitet die 91-Jährige die Torte mit Kirschen und viel Sahne für die Kuchenvitrine zu. Liselotte Brall ist die gute Seele des Cafés

Sie hilft seit vielen Jahren hinterm Tresen mit. Wer den guten Kuchen bestellt hat, darf natürlich auch mit Liselotte plauschen. „Ich bin hier, damit ich was seh’ und hör’, und damit ich nicht versauer’“, sagt sie und lacht.

Seit 17 Jahren führt ihr Enkel Andreas Brall das Bibercafé, und Liselotte war immer dabei. Liselotte Brall stammt aus Schwaben. Hier lernte sie ihren Mann Karl aus Bebra kennen, der im Krieg Funker bei der Luftwaffe war. Weil sie erst 20 Jahre alt war, musste Karl vor der Hochzeit die Genehmigung der Eltern einholen, erinnert sich Liselotte. Dann kamen die Bomben der Alliierten und zerstörten das Haus. „Wir standen alle da“, sagt Lieselotte. Es hieß: „Ab nach Bebra.“

„Der Bürgermeister wollte uns nicht aufnehmen“, erinnert sie sich. Aber ihr Mann war energisch und setzte durch, dass sie bei den Schwiegereltern einziehen durften. „Die haben mich hier nicht verstanden. Also habe ich umgestellt auf Hochdeutsch“, sagt sie und lacht wieder.

 Nach dem Krieg zog das Paar nach Lispenhausen. Ihr Mann Karl arbeitete bei der Bahn, die Söhne Harald, Karl-Heinz und Jürgen wurden geboren. Während des Krieges hatte Liselotte als Krankenschwester gearbeitet, bei den „braunen Schwestern“, wie sie sagt. Aber: Die Kriegserinnerungen waren schnell vergessen. „Man ist nicht daran erinnert worden.“

Liselotte Brall gewöhnte sich in der neuen Heimat ein, arbeitete als Näherin bei Brühl und beim Conti-Vorläufer BVG. Bis vor fünf Jahren fuhr Liselotte noch täglich mit dem Auto nach Bebra. Heute bringen Sohn Karl-Heinz oder Schwiegertochter Theresia sie ins Bibercafé. Hier ist sie zuständig dafür, die Spülmaschine einzuräumen und zu bedienen. Der Sommer steht bevor. „Das ist die Hauptzeit“, erklärt sie, „da sitzen alle draußen.“ Und: „Solange ich hierherkomm’, geht’s mir gut.“

Von Achim Meyer

Quelle: HNA

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