Protest gegen Bundeswehr-Information an Beruflichen Schulen

Linke gegen Bundeswehrpräsenz: Demo im kleinen Kreis

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Demonstrierten vor den Beruflichen Schulen in Bebra: Hartmut Thuleweit, Horst Zanger, Sven Kröben vom Kreisverband der Linken und Landtags-Fraktionschef Willi van Ooyen.

Bebra. Auf wenig öffentliche Resonanz stieß am Montag die Demonstration des Kreisverbandes der Linken in Bebra. Die Partei wollte mit ihrer Aktion gegen eine Informationsreihe der Bundeswehr an den Beruflichen Schulen protestieren.

Gemeinsam mit dem Fraktionsvorsitzenden der Linken im Landtag, Willi van Ooyen, diskutierten Kreisvorstandsmitglieder und die Vorsitzende der Linken im Werra-Meißner-Kreis, Waltraud Eisenträger Tomcuk, vor dem Schulgelände mit Schülern.

Die Bundeswehr ist noch bis Donnerstag mit einem Informationswagen auf dem Schulgelände vertreten, ihre Vertreter halten vor Schülern in dieser Woche Vorträge.

Schulleiter Wolfgang Haas findet dieses Angebot unproblematisch. Schon seit über zehn Jahren präsentiere sich die Bundeswehr regelmäßig an den Beruflichen Schulen. Das Angebot sei im Politikunterricht eingebettet gewesen, man habe Wehrpflicht, Wehrdienstverweigerung und Zivildienst gegenübergestellt. Allerdings gebe es nun, da die Wehrpflicht weggefallen ist, Überlegungen, ob Veranstaltungen dieser Art an der Schule noch zeitgemäß sind, erklärte Haas.

Dass die Linke gegen das Angebot demonstriert und mit Schülern diskutiert, sieht der Schulleiter positiv. Die politische Debatte - besonders mit Willi van Ooyen - sei für Schüler eine Bereicherung.

Benjamin Phieler und Patrick Wittich, zwei Schüler der Fachoberschule, fanden die Aktion der Linken „übertrieben“. Sie sehen das Angebot der Bundeswehr eher positiv: „Das ist eine reine Information darüber, was die Bundeswehr bietet. Es ist doch meine eigene Entscheidung, ob ich dorthin gehe oder nicht“, sagt Benjamin Phieler. Für die beiden jungen Männer ist die Bundeswehr ein Arbeitgeber wie andere auch.Schulleiter Haas sieht da auch kein Problem: Vor den Sommerferien sei das Achsenwerk Daimler in der Schule gewesen, die VR-Bank wolle ebenfalls über ihre Berufschancen informieren.

Für Willi van Ooyen und die Linke ist die Bundeswehr keineswegs Arbeitgeber wie jeder andere. So, wie sich die Bundeswehr präsentiere, erscheine sie Jugendlichen wie eine bunte Erlebniswelt. Dass sie an Schulen breiten Raum bekomme, trage zur Militarisierung der Gesellschaft bei. Bei ihren Einsätzen gehe es primär um die Sicherung von Ressourcen und Absätzmärkten, nicht um die Verteidigung der Demokratie.

Nur selten werde gegen die Informationsreihe der Bundeswehr demonstriert, erklärte Oberstabsfeldwebel Michael Baumgarten vom Zentrum für Nachwuchsgewinnung, der mit seinen Kollegen in Bebra mit Schülern spricht. Die Veranstaltung der Linken findet er in Ordnung. Schließlich werde auch die Meinungsfreiheit von der Bundeswehr verteidigt. Dass die Bundeswehr in ihrer Selbstdarstellung auf Schüler eher wie ein großer Abenteuerspielplatz wirken könnte, streitet Baumgarten ab: „Wir reden Klartext mit denen und sprechen über die Auslandseinsätze.“

Von Silke Schäfer-Marg

Quelle: HNA

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