Am Bebraer Bahnhof

Zug gestrichen: Grundschüler saßen in  Hitze fest

So sieht er aus, wenn er da ist: Unser Bild zeigt einen Cantus-Zug vor dem Bebraer Inselgebäude. Doch 70 Grundschüler und elf Begleiter aus Ronshausen hatten dort nicht so viel Glück, wie die Fahrgäste auf unserem Archivfoto. Ihr Zug wurde am bislang heißesten Tag des Jahres ersatzlos gestrichen. Foto: Gottbehüt

Ronshausen / Bebra. Die Sonne brennt vom Himmel, es ist der bislang heißeste Tag des Jahres, an dem sich die Grundschüler aus Ronshausen mit all ihren Lehrkräften und weiteren Begleitern auf große Theaterfahrt zu den Bad Hersfelder Festspielen aufmachen. Ein perfekter Sommertag. Doch:

Nachdem die 81 Personen zählende Gruppe in der Stiftsruine eine gelungene Vormittags-Aufführung des Familienstücks „Der Sturm“ erlebt hat, fangen die Probleme an.

Grund ist der Cantus-Zug, mit dem die Ronshäuser am Mittwoch, 19. Juni, ihre Rückfahrt geplant haben. Er lässt auf sich warten. Doch die Verspätung fällt mit acht Minuten in brütender Hitze auf dem Bahnsteig in Bad Hersfeld noch recht glimpflich aus, weiß Rektorin Anette Reich zu berichten – zumindest verglichen mit dem, was ihre 70 Grundschulkinder und die elf Erwachsenen Ronshäuser danach erwartet.

Beim Umsteigen in Bebra bekommen sie nämlich dann gar keinen Anschlusszug mehr zu sehen. „Der Cantus 24161 ist ersatzlos gestrichen“, heißt es dort schlicht, aber folgenschwer für die Theaterausflügler per Durchsage.

Keine Hilfe in Sicht

„Das war bei 40 Grad sommerlicher Gluthitze nicht gerade lustig – wir waren ratlos, und Hilfe war zunächst nicht in Sicht, zudem der Bebraer Bahnhof gerade eine Großbaustelle ist“, erklärt die Schulleiterin. In praller Sonne hätten sie und die Kinder ausharren müssen.

Glücklicherweise sei zufällig Michael Nuhn, selbst Vater einer Zweitklässlerin aus Ronshausen, dort gewesen. Er lotste die Gruppe zum Park-and-Ride-Platz und riet, private Hilfe anzufordern. Eltern, die ihre Kinder eigentlich in Ronshausen am Bahnhof abholen wollten, wurden kurzerhand nach Bebra gebeten und brachten die Gruppe so nach und nach heim.

„Das ist ein Unding – zumal bei dieser Hitze – und nicht gerade eine Werbung für den Cantus – ich bitte um Ihre Stellungnahme zu diesem höchst betrüblichen Vorfall, zumal ich den Betrag von 234,90 Euro gnadenlos in Bad Hersfeld bezahlen musste“, schrieb Rektorin Anette Reich tags darauf in einer Beschwerdemail an das Transportunternehmen. Doch eine Reaktion blieb aus.

Nachdem sich bis Dienstag dieser Woche seitens Cantus nichts tat, fragte die Schulleiterin erneut nach und bat um eine rasche Antwort. Am Donnerstag – nachdem sich nach fast einer Woche des Wartens immer noch keine Antwort abzeichnete, wandte sich Reich an unsere Zeitung. Fast zeitgleich hat sie eine Antwort erhalten – siehe „im Wortlaut“.

Unerhört – im doppelten Sinn

„Ich finde das unerhört – und zwar im doppelten Sinne“, sagt die Schulleiterin. Die Entschuldigung nehme sie zwar an – „ich hätte mir aber eine etwas individuellere Reaktion erhofft“, sagt Reich. Cantus hätte schließlich etwas fantasievoller auf diesen besonderen Fall eingehen können, um den Kindern eine kleine Entschädigung für die erlittenen Strapazen zu gewähren, findet sie.


Die Antwort im Wortlaut

Cantus bittet um Entschuldigung

"Sehr geehrte Frau Anette Reich, die Ihnen aufgrund des Ausfalls entstandenen Unannehmlichkeiten bedauern wir sehr. Der Zug konnte aufgrund einer Fahrzeugstörung nicht fahren und ist leider ausgefallen. Da diese Störung nicht vorherzusehen war konnten keine Ersatzfahrzeuge organisiert werden. Wir bitten nochmals um Entschuldigung und um Ihr Verständnis.

Trotz der Ihnen entstandenen Umstände hoffen wir, Sie bald wieder als zufriedenen Fahrgast in unseren Zügen begrüßen zu dürfen und wünschen Ihren zukünftigen Fahrten mit der Cantus Verkehrsgesellschaft mbH stets einen angenehmen Verlauf. Mit freundlichen Grüßen Cantus Verkehrsgesellschaft mbH"

Anmerkung der Redaktion: Als Absender geht aus der E-Mail-Adresse hervor, dass die Beschwerde von einem Praktikanten beantwortet worden ist.


Das sagt die Cantus-Pressesprecherin

Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte Cantus-Sprecherin Susanne von Weyhe am Freitag, es habe sich um eine technische Störung am Triebfahrzeug des Zuges gehandelt. Auch sie drückte nochmals ihr Bedauern über den Vorfall aus. Die nächste Verbindung – eine Stunde später – sei bereits wieder planmäßig gefahren. Zudem sei eine Zugbegleiterin als Ansprechpartnerin in Bebra vor Ort gewesen, die jedoch nicht angesprochen worden sei.

Von Peter Gottbehüt

Quelle: HNA

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