Handwerker des Landkreises stehen vor einem großen Problem

Hessens Verbrennungsanlagen nehmen kein Dämm-Styropor mehr an

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Hersfeld-Rotenburg. Handwerker des Landkreises können Dämm-Styropor nicht mehr in Verbrennungsanlagen abgeben. Das stellt sie vor ein großes Entsorgungsproblem.

Verbrennungsanlagen in ganz Hessen nehmen kein Styropor, das zum Dämmen von Häusern verwendet wird, mehr an. Der Grund: Das Flammschutzmittel HBCD, mit dem das Styropor behandelt wurde, gilt laut EU als schädlich und das Dämm-Styropor damit seit Oktober als gefährlicher Abfall. Die Styropor-Platten müssen nun als Sondermüll gesammelt und getrennt von anderem Bauschutt verbrannt werden.

Hier machen die hessischen Müllverbrennungsanlagen jedoch nicht mit. „Leider kann man dem Material nicht ansehen, ob es das HBCD enthält und von daher können auch wir am Entsorgungszentrum des AZV in Ludwigsau kein Dämmmaterial annehmen“, erklärt Georg Körner, Geschäftsführer des Abfallwirtschaft-Zweckverbands Hersfeld-Rotenburg. Zudem sei eine Sondergenehmigung nötig. Ähnliches gilt für die Anlagen in Kassel und Heringen.

Müllverbrennungsanlagen, die dafür zugelassen sind, gebe es in Deutschland etwa 30 Stück. Doch auch viele dieser Anlagen lehnen die Annahme des Dämm-Styropors ab. „Sie sind weitgehend durch die Abfälle ihrer Stammkundschaft ausgelastet und haben keine Kapazitäten zur Aufnahme weiterer Abfälle“, weiß der AZV-Geschäftsführer. Soweit ihm bekannt ist, bemühe sich die Landesregierung, eine Lösung zu finden. Bis dahin müssen die Bauunternehmen das Dämmmaterial bei sich lagern oder zu ausländischen Verbrennungsanlagen bringen lassen.

Und genau das ist das Problem, sagt Klaus Stöcker, Obermeister der Bauhandwerks-Innung Hersfeld-Rotenburg. Lagerung und Transport zur Verbrennung ins Ausland kosten viel Geld. Hausbesitzern drohe ein Preisschock, so Stöcker: „Die Kosten werden zwangsläufig auf den Kunden umgelagert.“

Hintergrund: Flammschutz als Ursache

Das Flammschutzmittel HBCD (Hexabromcyclododecan) gilt seit Mai 2013 als langlebiger organischer Schadstoff. Bei der Änderung der Abfallordnung im März dieses Jahres berücksichtige der Bundesrat diese Einordnung und deklarierte alle HBCD-haltigen Baumaterialien als gefährlichen Abfall. Nach einer sechsmonatigen Übergangsfrist trat die Verordnung im Oktober in Kraft. Konnte Bauschutt früher noch gemeinsam verbrannt werden, gelten für Entsorger jetzt Auflagen was Dämm-Styropor betrifft. Sogar eine Sondergenehmigung sei dafür nötig, die nach Angaben der Baubranche ähnlich aufwendig wie eine komplette Neugenehmigung sein soll.

Quelle: HNA

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