In Bleihülse erhalten

Über 100 Jahre alt: Bauarbeiten am Bahnhof förderten alte Urkunden zu Tage

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Hans Möller vom Stadtarchiv: Zusammen mit seinen Kollegen sortiert und puzzelt er die alten Dokumente vom Bahnhofsumbau Anfang 1900.

Bebra. Ein Baggerführer und seine Kollegen brachten die Bleihülse bei Bauarbeiten an der Verlängerung der Personenunterführung am Bahnhof in Bebra ans Tageslicht. Darin steckten über 100 Jahre alte Papiere.

Die historischen Unterlagen stammen vom Bahnhofsumbau 1902 bis 1906. Damals wie heute wurde der Bahnhof modernisiert.

Leider sind die Dokumente erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden. Einige Teile haben den Zugriff des Baggers gut überstanden, andere müssen nun wie ein Puzzle von den Mitarbeitern des Stadtarchivs wieder zusammengesetzt werden. Peter Kehm, Diether Bostelmann und Archivleiter Hans Möller versuchen sich an der großen Aufgabe.

In der Hülse steckten eine Urkunde zur Schlussteinlegung des Personentunnel, geschrieben 1907, ein Generalanzeiger, Pläne vom Aufbau des Güterbahnhofs, ein Merkbuch für Reisende mit dem damals aktuellen Fahrplan und ein Marineheft, denn Anfang 1900 war Georg Jennewein Bahnhofsvorsteher, und dieser war beim Marineverein, so erläutert Hans Möller.

Vier Meter lang ist der Plan vom Güterbahnhof, der zur Hälfte zerstört worden ist, aber immer noch einen guten Eindruck vermittelt. Auch ein Zugüberwachunsplan der Eisenbahn-Direktion Bezirk Frankfurt am Main gehört zu den Papieren. Er enthält ein für den Laien vollkommen unübersichtliches Gewirr von Linien in unterschiedlichen Farben und Zahlen. Möller erläutert zum Beispiel, dass die schwarzen Linien für die Schnellzüge standen.

Er hat die in Sütterlin geschriebenen handschrifltichen Teile der Urkunde in die lateinische Schrift übertragen. Dass die Probleme bei großen Bauvorhaben damals wie heute ähnlich waren, zeigt nicht nur die immense Kostensteigerung beim Bau - siehe Hintergrund - sondern auch der Konkurs einer Firma, die mit den Erd- und Maurerarbeiten betraut war. Es sei fast zum Aufruhr der Arbeiter gekommen, weil die Lohnzahlungen ausblieben. Folge war eine erhebliche Verzögerung des Baus. (ank)

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Quelle: HNA

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