Barrierefreier Bahnhof, aber: Behinderte kommen nicht in Fernverkehrszüge

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Einstiegshilfe: Ulrike Biernoth kann sie nicht nutzen.

Bebra. Täglich ab 16.22 Uhr kann man ohne umzusteigen mit dem ICE von Bebra bis zum Düsseldorfer Hauptbahnhof fahren, Ankunft um 20.15 Uhr. Wer im Rollstuhl sitzt, kann allerdings nicht einsteigen.

Und dies, obwohl der Bahnhof erst im Juni als modernisierter und nun barrierefreier Bahnhof gefeiert wurde. Es steht sogar eine Einstiegshilfe auf dem Bahnsteig, doch die ist nicht mehr als Dekoration.

Diese Erfahrung mussten Ulrike und Günter Biernoth aus Sontra machen, als sie von Bebra aus mit dem ICE der Bahn nach Düsseldorf fahren wollten. Bei der Einweihungsfeier für den barrierefreien Bahnhof vor wenigen Wochen hatte das Ehepaar schon die Einstiegshilfe auf dem Bahnsteig 9/10 begutachtet, denn Ulrike Biernoth sitzt im Rollstuhl. Als die beiden dann die neue Freiheit nutzen wollten, riefen sie bei der Mobilitätsservice-Zentrale der Bahn an.

Nicht alle Züge: Im Nahverkehr helfen dieTriebfahrzeugführer der Cantus-Züge beim Einsteigen. Im Fernverkehr der Deutschen Bahn gibt es dafür kein Personal.

„Wir dachten, jetzt kommen wir mal weg“, sagt ihr Mann. Doch daraus wurde nichts. Die Dame in der Service-Stelle habe sich bemüht, berichtet Günter Biernoth. Doch einsteigen können Rolli-Fahrer nicht, da niemand da ist, um die Einstiegshilfe zu bedienen. Rollstuhlfahrer steckten in Bebra in der Falle, sagt Biernoth, und spricht von einem großen Skandal. Peinlich sei das, da doch zur Eröffnung des barrierefreien Bahnhofs alle da gewesen seien: bis hin zu Dr. Klaus Vornhusen, dem Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn AG für das Land Hessen.

Keine Hilfeleistung möglich

Die Mobilitätsservice-Zentrale teilte uns auf eine entsprechende Anfrag folgendes mit: Am Bahnhof Bebra ist keine Hilfeleistung möglich, da der Bahnhof nicht mit Servicepersonal besetzt ist. Bei weiteren Fragen sind wir gerne für Sie da. Sie erreichen uns täglich von 6 bis 22 Uhr ... Schöne Urlaubstage in barrierefreien Reisezielen genießen...

Doch was sagt man bei der Bahn zu dem Skandal? Man arbeite an dem Problem, erklärte eine Sprecherin, denn Bebra sei ein größerer Umsteigebahnhof und es sei wichtig, dass die Bahn hier ihre Serviceleistung auch anbiete. „Wir bemühen uns, das Bahnhofsmanagement suche nach einer Lösung“, so die Sprecherin. Der Bahnhof sei ja barrierefrei, die meisten Züge könnten auch Rollstuhlfahrer benutzen, doch aktuell sei kein Mitarbeiter vor Ort, die Einstiegshilfe zu bedienen.

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