Vom Gewissen geplagt

Bankräuber von Obersuhl: Zwei Jahre Haft auf Bewährung

anküberfall auf die Filiale der Sparkasse in Obersuhl: Nun stand der Täter in Bad Hersfeld vor Gericht. Foto: Dupont

Bad Hersfeld. Für einen bewaffneten Bankraub gibt es normalerweise Minimum drei Jahre hinter Gittern. Die Frage einer Strafaussetzung zur Bewährung stellt sich dann erst gar nicht, und wegen der auf vier Jahre Gefängnis beschränkten Strafgewalt der Amtsgerichte finden die Prozesse in der Regel vor den Strafkammern der Landgerichte statt.

Dass sich das Schöffengericht in Bad Hersfeld dennoch mit dem Banküberfall vom 18. Dezember vergangenen Jahres auf die Sparkassenfiliale in Obersuhl beschäftigte, wies folglich auf besondere Umstände hin – am Ende waren sie sogar so ungewöhnlich, dass der Angeklagte den Gerichtssaal als freier Mann verlassen konnte.

Zwei Jahre Freiheitsstrafe wegen schwerer räuberischer Erpressung hatten Richter Michael Krusche und die beiden Schöffen gegen den 41-jährigen Erfurter verhängt, diese aber für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Möglich war dies, weil das Gericht auf einen rechtlich „minderschweren Fall“ erkannte.

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Dem Vater zweier Kinder wurde nämlich zugute gehalten, dass er bei seinem Auftritt kurz vor der Mittagspause in der Bank sehr höflich blieb, nur eine bescheidene Summe von 5000 Euro verlangte und mit einer gewissen Naivität zu Werke gegangen war, indem er den eigenen Pkw benutzte. Die mitgeführte Schreckschusspistole hatte der Gentleman-Räuber nur zweimal kurz aus der Tasche gezogen, um die Ernsthaftigkeit seiner Forderung nach Bargeld zu unterstreichen.

„Das lief ganz vernünftig ab“, sagte einer der Bankangestellten im Zeugenstand, denn die anwesenden Kunden bekamen von dem Vorfall überhaupt nichts mit. Dass der Erfurter die Beute nicht einfach an sich nehmen konnte, sondern dass sie mittels einer Blanko-Geldkarte vom Automaten abgehoben werden musste, machte für die Staatsanwältin aus dem schweren Raub eine räuberische Erpressung. Auch das wirkte sich bei der Strafe mildernd aus.

Doch damit nicht genug: Der geständige Thüringer, der als Motiv seine Spielsucht und hohe Schulden von um die 40 000 Euro – unter anderem bei seinem Arbeitgeber – angab, verzockte zwar noch auf dem Heimweg mehrere Hundert Euro, doch zu Hause plagte ihn das schlechte Gewissen schon dermaßen, dass er sich noch am selben Abend bei der Erfurter Polizei stellte.

Und die Reue hielt an: Der 41-Jährige hat der Sparkasse ihr Geld mittlerweile zurückgezahlt, er hat sich brieflich beim Bankpersonal entschuldigt und ist eifrig dabei, seine Schulden abzutragen.

Dabei unterstützt ihn auch sein Chef, denn seinen Job als Vertriebsleiter durfte der Angeklagte behalten.

Von Karl Schönholtz

Archiv-Video: Überfall auf Sparkasse

Quelle: HNA

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