Stadt und Landratsamt sind skeptisch

Kennzeichen-Diskussion: Bald wieder ROF am Auto?

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Altes Nummernschild aus dem Internet: Helmut Hichert hält ein auf Papier gedrucktes Nummernschild mit ROF in die Kamera. Im Netz ist es möglich, sich seine eigenen Fantasienummernschilder zu basteln. Hichert ist für die Wiedereinführung des Altkreiskennzeichens. Die Stadt Rotenburg und der Landrat sind aktuell dagegen.

Kreisteil Rotenburg. Würde Helmut Hichert in Wolfhagen wohnen, er hätte längst WOH als Autokennzeichen. Das Städtchen im Landkreis Kassel hat der durch die Gebietsreform weggefallenen Buchstabenkombination am Anfang des Nummernschildes eine zweite Chance gegeben.

Doch Helmut Hichert ist ein waschechter Rotenburger – was er der Welt gern zeigen möchte. ROF soll wieder auf seinem Wagen stehen. Im Rotenburger Rathaus und dem Landratsamt steht man einer Renaissance des alten Kennzeichens allerdings skeptisch gegenüber.

Die Umstellung auf die alten Kennzeichen ist im Landkreis Hersfeld-Rotenburg zurzeit nicht möglich. Das wird auch so bleiben, wenn es nach Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt geht. Er kann die Wiedereinführung des alten Kennzeichens erlauben. „Es gibt dringendere Probleme“, sagt er allerdings.

Schmidt habe sich mit den Fraktionen des Kreistags beraten, die die Idee mehrheitlich für einen Schwarzenbörner Streich hielten, teilte Michael Adam, Sprecher des Landratsamtes, mit. Der Landkreis sei in 40 Jahren zusammengewachsen, es gebe keinen Grund, diese Verbundenheit jetzt mit den alten Kennzeichen zu zerfleddern. Kosten würden dem Kreis durch das Anbieten der alten Kennzeichen keine entstehen, sagte Adam.

Die Stadt Rotenburg könnte sich beim Landrat für die Wiedereinführung des ROF-Kennzeichens stark machen, sieht dazu aber im Moment keinen Anlass. „Bei uns sind so gut wie keine Anfragen nach dem alten Kennzeichen aus der Bevölkerung eingegangen“, sagt Ralf Wassermann, Hauptamtsleiter der Stadt Rotenburg. In einer nicht repräsentativen Umfrage im Mai 2011 hatte sich die Mehrheit der 226 Befragten für die Wiedereinführung der ROF-Nummernschilder ausgesprochen. Dennoch hat sich die Stadt seinerzeit anderes entschieden, sagt Wassermann.

Ein Vorgehen, das Helmut Hichert nicht nachvollziehen kann. Der 72-jährige Rotenburger, der mittlerweile in Lispenhausen wohnt, wünscht sich mehr Möglichkeit zur Selbstbestimmung: „Demjenigen, der es möchte, sollte das alte Kennzeichen gestattet werden“. Der einstige Heizungs- und Lüftungsbaumeister würde gern mit dem Kürzel ROF auf dem Nummernschild seine Verbundenheit zu Rotenburg ausdrücken, begründet er sein Anliegen. Die Stadt sollte seiner Auffassung nach ein Interesse daran haben, dass „die ohnehin strukturschwache Region nach außen stärker repräsentiert wird“, schreibt Hichert in einer E-Mail an den Magistrat.

Das sieht Prof. Ralf Bochert von der Hochschule Heilbronn ähnlich. Der Tourismus- und Volkswirtschaftsspezialist bescheinigt den alten Kennzeichen einen positiven Marketing-Effekt für Städte wie Wolfhagen oder Rotenburg.

Quelle: HNA

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