Dirk Tschepke und Thomas Bier betreiben in Lispenhausen eine besondere Tierhandlung

Ein Bahnhof für die Fische

Michael Jakobs, rechts, aus Sontra ist Aquarist und regelmäßig Kunde im Zierfischbahnhof. Dirk Tschepke berät. Foto: Meyer

Lispenhausen. Der Schriftzug „Zierfischbahnhof“ wellt sich blau über die großen Schaufenster. Innen blubbern die Filteranlagen zahlloser Aquarien. Vielfältige Pflanzen wuchern im Aquarium in der Mitte, drum herum schwimmen Hunderte exotischer Fischchen. Ein Mann beugt sich über ein Aquarium und reinigt vorsichtig die Glasscheibe. Dirk Tschepke betreibt, zusammen mit einem Freund, nicht weit vom Lispenhäuser Bahnhof ein uriges Geschäft für Zierfische.

Ein einzelner davon, zum Beispiel der kleine Rote mit den flatternden Flossen, bietet genug Gesprächsstoff für einen Plausch. Dafür nimmt sich Tschepke Zeit. „Kampffisch“ heißt das Tier, auf Latein: Betta Splendens.

Wenn Tschepke fachsimpelt, lehnt er sich gern an, verschränkt die Arme und gestikuliert ab und zu mit einer Hand. Der Raubfisch kommt in Thailand vor, gelangt durch Hochwasser auf die Wiesen. Ein zweiter Kampffisch wohnt im Aquarium nebenan, nicht ohne Grund: Die Kampffische beißen und schubsen einander, sodass im asiatischen Raum sogar auf den Ausgang von Kampffisch-Kämpfen gewettet wird. „Das ist zwar verboten, wird aber trotzdem gemacht.“

Als Tschepke acht Jahre alt war, stand im Kinderzimmer das erste Aquarium, hinter dessen Scheiben er die kleinen Tiere fasziniert beobachtete. So schnell wie seine Begeisterung wuchs die Anzahl an Fischen und Aquarien – und sein Wissen über Wasserklima, Pflanzen, Futter, Arten, Technik.

Aus dem Amazonas

Mit Mitte 20 reiste er nach Brasilien und fischte eigenhändig große bunte Diskusfische aus dem Amazonas, die dann als Luftfracht den Atlantik überquerten. 2004 eröffnete der gelernte Rundfunk-Fernsehtechniker zusammen mit Thomas Bier das Geschäft in Lispenhausen.

Der Rotenburger Werner Steube ist Stammkunde im Zierfischbahnhof. Ein paar farbenfrohe Tiere sollen es diesmal sein für das heimische Aquarium. Ruckzuck hat Tschepke ein Treppchen geholt und mit routinierten Handgriffen und zwei kleinen Käschern sechs Rote Phantomsalmler herausgefischt und in ein Plastikgefäß mit Wasser geworfen. Stückpreis: 2,20 Euro.

Ungeduld ist schlecht

Der Zierfischbahnhof ist auch Anlaufstelle für Menschen, die ihr erstes Aquarium kaufen, und da gilt es gut aufzupassen. Gleich Kies und Fische ins Wasser werfen – so einfach geht das nicht. Zwei bis drei Wochen, erklärt Tschepke, müssen Heizung und Filter ohne Fische laufen. Ungeduld ist ein schlechter Ratgeber. Und ein hübsches Aquarium braucht Pflege. „Wenn Sie einen Garten haben wollen, müssen Sie auch den Rasen schneiden“, sagt Tschepke – „Wenn’s schön sein soll...“

Von Achim Meyer

Quelle: HNA

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